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Am 20. Mai. 239
auf dem Wege der Tugend, machte er große Fortschritte. Mit vie»
ler Sorgfalt bewahrte er die Reinigkeit des Herzens, und hielt sich
deßhalb entfernt von jedem Umgänge, und von jedem Vergnügen,
welches derselben hätte gefährlich werden können. Er liebte die Ein-
samkeit, tödtcte seine Sinnlichkeit ab durch strenges Fasten, und be-
lebte seinen Geist durch anhaltendes Gebeth. Wenn seine Jugend:
genossen mannigfaltigen Ergötzlichkcitcn sich überließen, fand er daö
reinste Vergnügen im Hause des Hcrrn.
Um das Jahr 749 starb sein Vater, und er wurde zur Krone
berufen. Weit entfernt, von dem Glanz der königlichen Würde sich
blenden, und vom Hochmuthe sich beschlcichcn zu lassen, beherzigte
er vielmehr die Aussprüche des göttlichen Wortes: „Je größer du
bist, desto mehr verdemüthige dich, so wirst du dem Herrn gefallen."
(Ies. Sir. 3, 18.) „Demüthiget euch unter der Hand Gottes, da-
mit er euch zur Zeit der Heimsuchung erhöhe." (Pet. 5, 6.)
„Wer sich erhöhet, wird erniedriget werden;" (Luc. 14, 11.) und
bewahrte dadurch in sich das Gefühl der Demuth, welches der schönste
Vorzug seines edlen Herzens war. Er hat sich selbst regieren ge-
lernt, war deßhalb fähig, Andere zu regieren. Er hielt sich nicht
so fast für den Herrn seiner Untergebenen, als vielmehr für ihren
Diener, der alle seine Kräfte ihnen opfern müsse, um sie gut und
glücklich zu machen. Er stellte sich ihnen dar als ein Vorbild der
reinsten Gottesfurcht, mildthätig und sanftmüthig, wie das Evange-
lium Jesu Christi seine Anhänger fordert. Mit großem Eifer nahm
er sich der gekränkten Unschuld, insbesondere der Wittwen und Wai-
sen an. Er duldete nicht, daß Jemand auf bloß unsichere Anklage
zur Verantwortung, oder ohne völlige Ueberweisung zur Strafe ge-
zogen werde. Ueberhaupt war er geneigter nachzusehen, als zu ahn-
den, zu verzeihen, als zu strafen. Dabei hemmte er nicht den Lauf
der Gerechtigkeit; war aber jedesmal bekümmert, wenn er gcnöthigct
wurde, seine strafende Hand zu erheben. Gerne milderte er die
Strafen, so oft es sich mit dem Zwecke derselben, und mit dem Ge-
setze vereinbaren ließ. Sein gutes Herz frohlockte, so oft er einen
Anlaß hatte, seine Unterthanen zu belohnen, oder auf andere Weise
ihnen Gutes zu thun.
Ethclbcrt hatte frühe schon den Entschluß gefaßt, im chelosen
Stande Gott zu dienen. Dieser Entschluß ward in ihm, als er
zur königlichen Würde gelangte, bekräftiget durch die Betrachtung,
daß Familien-Freuden und Leiden ein Hinderniß werden könnten, der
Regierung seiner Unterthanen sich einzig und ganz zu widmen. Es
fehlte nicht an Anträgen und Aufforderungen zur ehelichen Verbindung,
die dem jungen Könige gemacht wurden. Er aber wies jene, wie
diese zurück, aus dem eben angegebenen Grunde. Einst kam zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen