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240 Der heilige Ethclbert, König in England.
ihm der Graf Guerro, einer der angesehensten und mächtigsten Gro-
ßen des Reichs, und wendete seine ganze Veredtsamkeit an, ihn zu
bewegen, daß er der Seledria, der einzigen Tochter des jüngst ver-
storbenen Königs Egeon, seine Hand gebe, und dadurch ein zweites
Königreich mit dem seinigen vereinige. Darauf erwiederte ihm Ethcl-
bert: „Ist Scledria nicht die Tochter Egeons, der meinem Vater
immer abhold war, ihn durch Arglist und durch Meineid so oft zu
hintergehen suchte; der ein hinterlistiger, treuloser und verschlagener
Mann war, dem Alles mehr am Herzen lag, als die Wahrheit, dem
nur das Unrecht Recht, und nur die Unbilligkeit Billigkeit zu seyn
schien? Guerro! du weißt, daß, wie in der leblosen Natur und bei
den Thieren, auch bei den Menschen die guten und die bösen Eigen-
schaften sich fortpflanzen. Man muß daher auf die Tugenden und
Fehler, nicht auf die Reichthümer und Besitzungen einer Person, die
man ehelichen wil l , sehen, und mehr die Sitten, als den hohen
Rang ihrer Eltern berücksichtigen. Die Gaben des Glückes verän-
dern sich, oder entschwinden oft nur zu bald, aber die Gemüthsart
bleibt und geht auf dit Erben über." Wichtige Worte, der reif-
sten Beherzigung werth, für Alle, welche eheliche Verbindun-
gen entweder selbst eingehen, oder solche rathen, oder mißrathen
wollen!
Ethelbert gab endlich doch Gehör den Rathschlägen und Bit-
ten seiner getreuen Diener, die ihm vorstellten, daß das Reich, wenn
er ohne Thronfolger stürbe, der Gefahr großen Zwiespaltes, und
blutiger Kriege ausgesetzt würde. Er entschloß sich zur Heirath,
und seine Wahl fiel, auf Einrathcn seines vertrautesten Dieners Os-
wald, auf die Tochter des Königs der Mercier, der Offa hieß, und
im Jahre 796 gestorben ist. Alle Großen des Reiches stimmten
der getroffenen Wahl bei; nur die Mutter Ethelberts, die noch lebte,
war derselben, man weiß nicht, warum, entgegen. Vielleicht hatte
sie eine geheime Ahndung von dem Unglücke, das ihrem Sohne be-
vorstand. Ethelbert glaubte, dem Willen eines Weibes, obgleich
seiner Mutter, die Wünsche und Rathschläge so vieler verständiger
und mächtiger Männer nicht opfern zu dürfen. Er schickte sich da-
her an, in eigener Person zu Offa, dem Könige der Mercier, zu
gehen, und aus dessen Hand seine künftige Gemahlin zu empfangen.
An dem Tage seiner Abreise wohnte er früh Morgens mit großer
Inbrunst dem hochheiligen Opfer bei, und empfahl sich und sein
Vorhaben in flehentlichen Bitten dem göttlichen Schutze. Ein Erd-
beben und eine Verfinsterung der Sonne, die am Tage seiner Ab-
reise sich ereigneten, und von Vielen für üble Vorbedeutungen ge-
halten wurden, vermochten nicht, ihn zaghaft zu machen. Ver-
trauend auf Gott, setzte er die Reise fort, begleitet von einer eben
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen