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246 Der heilige Ludgerus, Bischof und Glaubensprediger :c.
von Westphalen geschickt, dessen Hauptstadt Mimigcrncford war.
Da erbaute cr ein Kloster, dem er die Regel des heiligen Augustin
gab. Bon diesem Kloster erhielt die Stadt den Namen Münster.
Von da aus unterrichtete Ludgcr mit uncrmüdetem Fleiße die sächsi-
schen Völker. Er rottete die Uebcrrestc des Heidcnthums aus, er-
baute mehrere Kirchen, und bestellte bei jeder derselben einen Priester
aus der Zahl seiner Schüler. Mehrmal bat er die Brüder, sie
möchten aus ihrer Mitte einen Vorsteher wählen, und alsdann ver-
langen, daß er zum Bischöfe geweiht werde, denn sich selbst artete
cr unwürdig des bischöflichen Amtes. Als Hildebald, der Erzbifchof
von Cöln, in ihn drang, daß er sich zum Bischöfe weihen lasse, gab
cr zur Antwort die Worte des Apostels (Tim. 3, 2.): „Ein Bi-
schof muß unsträflich seyn;" worauf Hildebald wehklagend erwie-
derte: „dieses Gesetz haben die außer Acht gelassen, die mich geweiht
haben." Endlich glaubte Ludger dem allgemeinen Verlangen langer
nicht widerstreben zu dürfen. Im Jahre 802 ließ er sich zum er-
sten Bischöfe von Mimigerncford, oder Münster weihen. Die fünf
Bezirke in Friesland, in denen cr den Glauben verkündigt hatte,
behielt cr bei, und vereinigte sie mit scincm Kircheusprengcl. Nebst
dem Kloster zu Münster, hatte er auch cincs zu Werden und eines
zu Helmstadt erbaut. Alle drei standen unter seiner Aufsicht.
Der fromme Bischof beobachtete eine sehr einfache und strenge
Lebensweise. Alle Tage, wenn nicht Amtsgeschäfte ihn hinderten,
ertheilte er des Morgens seinen Schülern Unterricht in den heiligen
Schriften. Sehr gemein war sein Gewand, und gering und spar-
sam sein Tisch. Nur zu gewissen Zeiten aß er Fleisch. Der Genuß
der Speisen, dem er jedesmal nur eine kurze Zeit bestimmte, wurde
immer durch geistliche Gespräche gewürzt. Gegen die Armen war
cr sanft und mild; ernsthafter aber, und bisweilen strenge gegen
die stolzen Reichen. Seine Einkünfte, sowie scin Erbgut widmete
er den Werken der Liebe. Davon nahmen Einige Anlaß, ihn beim
Könige, als wäre er ein Verschwender, anzuklagen. Der König be-
rief ihn deßhalb an einem Tage frühe Morgens durch einen Kam-
merherrn zu sich. Der fromme Bischof lag eben dem Gebethe ob,
und sagte dem Kammerherrn, daß er nach Vollendung desselben so-
gleich erscheinen werde. Als er zum König kam, verwies ihm dieser
die lange Zögerung. Ludger aber sagte ganz freimüthig, er habe
gedacht, man müsse Gott den Menschen, auch selbst dem Könige,
vorziehen. Dieses sey die Lehre, die ihm der König selbst gegeben,
als er ihn zum Bischöfe ernannt habe. Darauf erwiderte Karl: cr
finde an ihm denjenigen, für welchen er ihn gehalten habe, und von
nun an werde er kuner Klage gegen ihn mehr Gehör geben.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen