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248 Der heilige Karolus, Kaiser.
hatte. Die Wittwe und die Kinder Karlmanns flüchteten sich nach
Italien zu dem longobardischen Könige Dcsiderius. Karl war mit
den benachbarten unruhigen, und zum Theile barbarischen Völkern
fortwährend in Kriege verwickelt. Seine Waffen waren glücklich.
Er endigte glorreich den Krieg, zu dem die Aquitanier seinen Vater
schon genöthigt hatten, bändigte die Sachsen, die sein Reich bestän-
dig beunruhigten, besiegte die Longobarden, die Avarcn, die Böhmen,
und die Dänen, unterwarf sich Klcinbritannien, Bayern und noch
andere Länder. Die wichtigsten Dienste erwies er der römischen
Kirche, indem er sie von den Bedrückungen des longobardischen Kö-
nigs Desiderius befreite, die Besitzungen, welche dieser ihr entrissen
hatte, zurückstellte und mit großen Schankungen sie begabte. Er
hatte insbesondere eine sehr große Hochachtung für den eben so wei:
sen als frommen Papst Hadrian, mit dem er in beständiger und
vertrauter Freundschaft lebte, den er, als er im Jahre 796 starb,
tief betrauerte.
Auf das Zudringen seiner Mutter vermählte sich Karl mit der
Tochter des Königs Desiderius, die er aber nach einem Jahre, man
weiß nicht, aus welcher Ursache, wieder entließ. Darauf verband
er sich mit Hildegard, einer schwäbischen Prinzessin, und nach ihrem
Tode mit der Fastrada, aus einem vornehmen Geschlechte der Fran-
ken. Nachdem auch diese gestorben war, nahm er zur Gemahlin
eine Deutsche, die Luidgardis hieß, und im Jahre 800 starb. Au-
ßerdem lebte er mit andern Frauenspersonen in einer Verbindung,
welche durch Gewissen und Christenthum als höchst lasterhaft verbo-
ten ist, und deren schwere Schuld er nur durch aufrichtige und strenge
Buße vor Gott tilgen konnte.
Karl liebte seine Kinder zärtlich, und wandte große Sorge auf
ihre Erziehung, die er selbst leitete, und zum Theile auch selbst be-
sorgte. Die Prinzen und Prinzessinnen erhielten in frühesten Jah-
ren schon Unterricht im Christenthum«:, und dann auch in anderen,
ihrem Stande und Geschlechte angemessenen Kenntnissen. In der
Folge wurden jene angeleitet zu Leibes- und Kriegsübungcn, und zur
Verwaltung der Staatsgeschäftc; diese hingegen zu den häuslichen
Arbeiten, derer sich in jenen Zeiten auch die Vornehmsten nicht schäm-
ten. Und warum hätten sie sich derselben schämen sollen? Nütz-
liche, seinem Berufe angemessene Beschäftigung ist Pflicht, von der
sich kein Mensch lossagen darf. Arbeit entehrt keinen, Müssiggang
aber jeden Menschen. Davon hatte Karl die innigste Ueberzeugung;
deßhalb sah man seine Tochter in der Küche, am Wcbstuhle und am
Spinnrocken; deßhalb dürfte keines seiner Kinder unbeschäftigt blei-
ben; deßhalb hatte er, als ein weiser und sorgfältiger Vater, seine
Kinder, so viel er konnte, um sich, und unter seinen Augen. War
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen