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254 Die heiligen Märtyrer in Amornmi.
Anführer, die man in Fesseln legte, und gefangen nach Bagdad, am
Flusse Tigris abführte.
Zu Bagdad wurden die Gefangenen mit schweren Ketten an
Händen und Füßen beladen, und in ein Gefängniß geworfen, welches so
finster war, daß sie einander nicht sehen, sondern nur an der Stimme
sich gegenseitig erkennen konnten. Außer den unmenschlichen Gefan-
genwächtern wurde Niemand zu ihnen in den Kerker gelassen. Ein
wenig Brod war ihre Nahrung, Wasser ihr Getränk, der bloße Bo-
den des Gefängnisses ihre Liegcrstätte, und ein zerrissener Bauern-
kittel, voll des lästigsten Ungeziefers, ihr Gewand. Bisweilen durf-
ten sie aus dem Gefängnisse in die Stadt gehen, mitleidige Men-
schen um Almosen anzusprechen. Da ward aber jeder aus ihnen
von zehn Soldaten begleitet, und bei ihrer Rückkehr in's Gefängniß
wurde jedes Geschirr, in dem sie Speise trugen, untersucht, ob nicht
ctwa in diesem heimlich ihnen Briefe zugeschoben worden seyen, und
in gleicher Absicht auch jedes Stückchen Brod zerbrochen.
Durch solche Behandlung waren die christlichen Gefangenen sehr
bald auf eine fürchterliche Weise entkräftet, und abgezehrt. Sie sa-
hen mehr Todtengerippcn, als lebendigen Geschöpfen gleich. Und
jetzt erst rückten die Muselmänner mit der wahren Absicht ihrer grau-
samen Behandlung hervor, die keine andere war, als die Gefange-
nen zur Abschwörung der christlichen, und zur Annahme der muha-
medanischen Religion zu bringen. Die Gottlosen meinten, daß die
Gefangenen, gedrückt durch das höchste Elend, leichter hiezu zu be-
wegen seyn werden. Der Chalife schickte Männer in den Kerker,
welche bei den Muselmännern für die gelehrtesten gehalten wurden.
Diese stellten sich an, als kämen sie aus eigenem Antriebe zu den
Gefangenen, heuchelten großes Bedauern über sie, und reichten ihnen
Geld und Kleider, auf daß sie bei ihnen sich einschmeichelten. Nur
langsam rückten sie mit ihrem bösen Antrage hervor. Allein kaum
hatten die gefangenen Christen denselben vernommen, als sie ihnen
Entsetzen und Unwillen bezeigten. Da sprachen die Muselmänner:
.,Euere Sachen stehen nicht so, daß ihr uns stolz zurückweisen soll-
tet. Höret nur, was wir mit euch beabsichtigen; dann möget ihr
unsere Anschläge verwerfen, wenn sie euch verderblich scheinen. Lie-
bet ihr nicht cuere Kinder, euere Eltern, euere Gemahlinnen, den
angenehmen Umgang mit eueren Freunden und euer Vaterland?
Nur ein einziger Weg steht für euch offen, dieses Alles wieder zu
genießen: Verstellet euch eine kurze Zeit, lasset euch beschneiden, und
betet mit dem Chalifen; dann wird dieser euch mit Wohlwollen
überhäufen, und der Wechsel des Kriegsglückes euch Wege eröffnen,
zu eurer Religion, und zu den Eurigcn zurückzukehren." Die Chri-
sten erwiederten: »Wenn ihr, als Muhamedaner, euch in der glei-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen