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Am 6. März. 255
chcn Lage, wie wir jetzt, befändet, würdet ihr, was ihr uns Chri-
sten anrathet, selbst thun?" „Ohne Bedenken würden wir es thun,
denn nichts ist den Menschen angenehmer, als die Freiheit," sagten
die Muselmänner, und bekräftigten ihre Rede durch Schwüre. Dar-
auf antworteten die Christe:,: „Wir mögcn uns in dieser Angelegen-
heit nicht berathen lassen von Menschen, welche auf ihrer eigenen
Religion nicht feststehen." Beschämt durch diese Antwort verließen
jene den Kerker. Nach wenigen Tagen kamen aber andere dahin,
ebenfalls unter dem Vorwande durch Liebesgaben das Elend der
Gefangenen zu erleichtern. Auch diese heuchelten herzliches Bedauern,
und redeten den Gefangenen zu, den engen, harten Weg zu verlas-
sen, den die Lehre Jesu Christi zeichne, und anzutreten den breiten
und angenehmen Pfad, den Muhamed angewiesen habe. Die Chri-
sten sahen sich gegenseitig an, lächelten und sprachen: „Wie möget
ihr euch bereden, daß eine Lehre, wahr und Gott gefällig sey, welche
die Befriedigung aller fleischlichen Gelüste erlaubt? die Vernunft,
diese edelste Gabe des Menschen, den thierischen Trieben unter-
wirft, und dadurch den Menschen zum vernunftlosen Thiere erniedri-
get? Entfernet euch! denn nichts wird uns trennen von der Liebe
Christi."
Nicht lange hernach wurden die Gefangenen von einigen Fa-
quirs besucht; so nannten die Muselmänner ihve Mönche. Diese
reichten den Christen Geschenke, küßten sie, setzten sich vertraulich zu
ihnen hin, und sprachen: „Erwäget doch die wichtige Frage: Wem
zeigt sich Gott eben jetzt gnädiger, uns Muselmännern oder den Rö-
mern? Schenkt er nicht uns reichlichen Segen der Felder, und un-
sern Kricgsheercn den Sieg. Er ist gerecht. Er würde uns nicht
so viel Gutes erweisen, wenn wir nicht seinen Willen befolgten; so
wie er euch nur deßwegen in unsere Gewalt hat kommen lassen,
weil ihr an seinen Propheten Muhamed nicht glaubet." Darauf
erwiederten die Christen: „Es sey auch uns eine Frage erlaubt:
Wenn zwei Männer um eine Erbschaft streiten, und der eine mit
vielem Geschrei behauptet, „sie ist mein," aber seine Behauptung
durch keine Zeugen begründen kann; der andere hingegen nur wenig
Worte macht, aber mehrere glaubwürdige Zeugen aufführt, was mei-
net ihr, welcher soll die Erbschaft erhalten?" „Ohne Zweifel der,
welcher gültige Zeugen aufführt/- anworteten die Muselmänner.
„Seht," sprachen hierauf die Christen, „Jesus Christus, geboren
aus einer Jungfrau, ist als Lehrer auf die Erde gekommen. Dieses
läugnet ihr ja selbst nicht. Er hatte zu Zeugen seiner göttlichen
Sendung alle alten Propheten, die seine Ankunft vorhcrverkündigtcn.
Ihr saget, Muhamed sey auch gekommen als Lehrer der Menschen.
Hätte nicht dieser neue Prophet das Zeugniß, wenigstens des einen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen