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Der heilige Ignatius, Patriarch zu Constantinopel.
(Am 22. Oktober.)
Der heilige Ignatius war ein Sohn des griechischen Kaisers
Michael I. und der Prokopia, einer Tochter des Kaisers Nicephorus.
Nachdem Michael im Juni des Jahres 813 bei Hadrianopel eine
Schlacht gegen die Bulgaren verloren hatte, trat er die kaiserliche
Würde an seinen Feldherrn Leo ab, der von seinem Vaterlande, der
Armenier genannt wird, und faßte den Entschluß, mit seiner Ge-
mahlin und seinen Söhnen in die klösterliche Einsamkeit sich zurück-
zuziehen. Der undankbare und grausame Leo vergönnte es aber dem
Vater nicht, in der Gesellschaft seiner drei Söhne zu bleiben. Er
trennte sie von einander, und verwies sie auf verschiedene Inseln.
Er ging in seiner Grausamkeit noch weiter: Er ließ die Söhne ent-
mannen,' damit nicht etwa durch ihre Nachkommen der kaiserliche
Thron für seine Familie gefährdet werde.
Ignatius war, als dieses geschah, vierzehn Jahre alt. Nicht
aus Zwang der Umstände, sondern aus Neigung trat er in ein Klo-
ster , und veränderte bei dieser Gelegenheit den bisherigen Namen
Nicetas in den Namen Ignatius. Er machte in der Veredlung seines Ver-
standes und seines Herzens solche Fortschritte, daß er die allgemeine
Liebe und Verehrung der Brüder gewann, und deßhalb von ihnen
zum Nachfolger des verstorbenen Abtes erwählt wurde. Er empfing
die heiligen Weihen von Basilius, dem Bischöfe zu Paros im Helle-
spont, welcher von den Bilderstürmern große Leiden mit unerschütter-
ter Etandhaftigkcit erduldet hatte. Ignatius erbaute Klöster auf
den sogenannten Fürsteninscln Platos, Acatros und Tercbinthus, in
denen er sich abwechselnd aufhielt. Viele Rechtgläubige, welche mit
den Verächtern der heiligen Bilder keine Gemeinschaft haben woll-
ten, kamen aus der Hauptstadt Constantinopel und aus den Städ-
ten Bythiniens mit ihren Kindern zu ihm, auf daß er diese taufe,
und verlangten von ihm Belehrung und Trost. Er nahm alle liebe-
voll auf, ertheilte ihnen Unterricht, und kräftigte sie gegen die ver-
derblichen Lehren der Bilderstürmer. Den Verfolgten, den Gefange-
nen, den Verbannten, und denen, welche durch die Verfolgung ihrer
Güter beraubt worden waren, reichte er nebst der geistlichen Trö-
stung, auch leibliche Unterstützung. An diesen Werken der Liebe nah-
men mit großem Eifer Antheil seine Mutter und seine Schwester,
die bis in ihr hohes Alter den größten Theil ihrer Einkünfte heili-
gen Zwecken widmeten.
Der Kaiser Leo begünstigte die Bilderfeinde, und verfolgte mit
vieler Grausamkeit die Rechtgläubigen, obgleich er bei seiner Krönung
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen