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270 Der heilige Ignatius, Patriarch zu Constcmtinopel.
das apostolische Glaubensbekenntnis abgelegt hatte. Er vertrieb de»
heiligen Nicephorus, der seinem frevelnden Beginnen muthigen Wi-
derstand leistete, vom Patriarchenstuhl, und setzte auf denselben eincn
gewissen Theodot, einen Mann ohne alles Verdienst, der im Rufe
eines sehr zügellosen Wandels stand. Nach einer sieben und halb:
jährigen Regierung wurde er, auf Anstiften des Herzogs Michael,
des Stammlers, den er zum Tode verurthcilt hatte, am Weihnachts-
feste am Fuße eines Altars, den er seiner Ketzerei wegen des Schmu-
ckes beraubt hatte, durch Meuchelmörder gctödtet. Seine Söhne
mußten die gleiche Mißhandlung erdulden, die er den Söhnen seines
Worfahrers, des Kaisers Michael I. angethan hatte. Nach dem
Tode Leo's bestieg Michael I I . , der Stammler genannt, den kaiser:
lichen Thron, und ihm folgte nach acht Jahren und neun Monaten
in der Regierung sein Sohn Thcophilus. Beide waren geschworne
Feinde der Bilderverchrung, und ließen deßhalb den Rechtgläubigen
große Qualen anthun. Während ihrer Regierung ward der Patriar-
chenstuhl in Constantinopcl entehrt von Antonius und Johannes,
zwei Männern, die ihnen gleich gesinnt waren, und die Drang:
sale der Rechtgläubigen um Vieles vermehrten. Im Jahre 842
starb Theophilus an der Ruhr, und hinterließ die kaiserliche Krone
seinem Sohne Michael I I I . , der noch ein Kind war. Die Mutter
Thcodora verwaltete seine Vormundschaft und die Regierung. Ihre,
und des jungen Kaisers vornehmsten Räthe waren, nach der Be:
stimmung, die Theophilus selbst vor seinem Tode noch gemacht hatte:
Theoktistus, ein Verschnittener und erster Kanzler, Bardas, ein Bruder
der Theodora, und Manuel ein Onkel derselben. Eines der ersten
Geschäfte dieser neuen Regierung war, daß durch eine Verordnung
die Wiederherstellung der heiligen Bilder festgesetzt wurde. Wer sei-
nem bisherigen Irrthume zu entsagen verweigerte, sollte in's Elend
verwiesen werden. Dieses Loos traf, nebst vielen Andern, auch den
Patriarchen Johannes. An seine Stelle wurde zur unaussprechlichen
Freude aller Rechtgläubigen auf den Patriarchenstuhl zu Lonstanti-
nopel berufen der heilige Methodius, der von den Bilderfcindcn
grausame Qualen erduldet hatte, deren Spuren er, als glanzende
Ehrenzeichen, an seinem Leibe trug. Die Wiederherstellung der Bil-
der geschah in der Hauptstadt am ersten Sonntag in der Fasten,
des Jahres 842, auf eine sehr feierliche Weise durch einen prächti-
gen Umgang, der von der Sophienkirche aus durch die vorzüglichsten
Gassen der Stadt gehalten wurde. Diese Feier erhielt den Namen
„Fest der Orthodoxie" (Rechtgläubigkeit), und wurde in der Folge
jährlich erneuert. So nahm endlich der sogenannte Bilderkrieg ein
Ende, der durch bereits 120 Jahre in der Kirche Jesu Christi so
großes Unheil angerichtet hatte.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen