Seite - (000275) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000275) -
Text der Seite - (000275) -
Am 23. Oktober. 273
tcn in diesem Widerstände viele Tage, bis endlich die meisten der-
selben durch arge Hosränke sich blenden, und auf andere Gesinnung
bringen ließen. Fünf von ihnen leisteten längern Widerspruch, ga»
ben aber zuletzt auch dem Dränge der Umstände nach, und willigten
ein in die Erhebung dcs Photius, jedoch nur mit der Bedingung,
daß dieser sich verpflichte, und diese Verpflichtung schriftlich von sich
gebe, seine Verbindung mit Gregor von Asbeste aufzugeben, in die
Kirchengemeinschaft des Ignatius einzutreten, diesen als rechtmäßigen
Patriarchen anzuerkennen, ihm nie etwas vorzuwerfen, keine Klage
gegen ihn anzunehmen, als einen Vater ihn zu ehren, und nichts
ohne dessen Beistimmung zu unternehmen. Photius versprach münd:
lich und schriftlich, was man verlangte, empfing alle Wcihungen —
gegen die kirchlichen Vorschriften in dem kurzen Zeitraume von fünf
Tagen, und wurde am Festtage der Geburt des Herrn 858 auf den
Patriarchenstuhl gesetzt. Noch nicht zwei Monate waren verflossen,
als Photius schon zeigte, wie wenig Ernst es ihm mit seinen Ver-
heißungcn gewesen sey. Er fing an, die Priester, von denen er
wußte, daß sie dem Ignatius ergeben seyen, hart zu verfolgen.
Durch Schläge ließ er sie fürchterlich mißhandeln; stellte sich aber
bald darauf wieder freundlich gegen sie, und machte ihnen die glän:
zendsten Versprechungen, wenn sie ihm schriftliche Anklagen gegen
den Ignatius übergeben würden; denn er hatte beschlossen, koste e5
was es wolle, die förmliche Absetzung des Patriarchen zu bewirken.
Die Priester widerstrebten dem so frevelhaften Antrage, und wollten
lieber die Verfolgung des Photius erdulden, als auch nur das Min-
deste beitragen zum Sturze des hochverehrten Ignatius.
Photius wandte sich nun an Bardas, und brachte es durch
diesen bei dem leichtsinnigen Kaiser dahin, daß gegen Ignatius eine
Untersuchung, als stände er in Verbindung mit den Feinden des
Reiches, angestellt wurde. Männer, deren Grausamkeit bekannt war,
wurden nach Tcrebint abgeordnet. Diese machten sich zuerst an die
Diener des Patriarchen, legten ihnen viele verfängliche Fragen vor,
und quälten sie endlich durch die grausamsten Mißhandlungen, um
Aussagen von ihnen zu erpressen, auf deren Grund Ignatius als
schuldig vcrurtheilt werden könnte. Als sie alle Künste ihrer Bos-
heit fruchtlos sahen, führten sie den heiligen Ignatius mit seinen
Dienern von Tercbint auf die Insel Hiera, wo sie den Diener Got-
tes in einen Ziegenstall einsperrten. Bald darauf wurde er unter
vielfältigen Mißhandlungen nach Prometh, einer Vorstadt nahe bei
Constantinopel, gebracht. Da erkühnte sich ein gewisser Leo Lala-
kon, ihm so gewaltige Backenstreiche zu geben, da^ zwei Stockzähne
ihm aussielen. Sofort wurde er mit Ketten an seinen Füßen ge-
fesselt, in einen engen Kerker geworfen, in welchen, außer zwei von
Zweiter Band. 18
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen