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Am 23. Oktober. 275
tcn. Als die Gesandten des Papstes in Constantinopel angekommen
waren, wurden sie durch drei Monate so strenge bewacht, daß außer
ihren Dienern Niemand mit ihnen sprechen durste. Darauf ver-
langte man von ihnen unter den fürchterlichsten Drohungen, daß sie
dem Willen des Kaisers sich fügen sollten. Acht Monate lang wi:
dersetzten sie sich dem bösen Ansinnen. Endlich aber waren sie
schwach genug, nachzugeben, und zu verheißen, nach dem Willen des
Kaisers zu thun. Mittlerweile wurde Ignatius wieder auf die In :
sel Teredint gebracht, ward aber auch hier wieder auf mancherlei
Weise gequält, und mußte sehen, daß seine getreuen Diener durch
Geißclstreiche fürchterlich mißhandelt wurden. Dazu kam endlich noch
der Einfall eines wilden, scythischen Volkes, Ros, nachher Russen ge-
nannt, welches auf den der Stadt Constantinopel nahe liegenden
Inseln Alles verheerte, plünderte und viele Menschen mordete. Die
Barbaren mordeten auch zwei und zwanzig Hausgenossen des Igna-
tius, der, als cr's erfuhr, ganz gelassen sprach: „Der Herr hat's
gegeben, der Herr hat's genommen. Gepriesen sey der Name des
Herrn!" Nachdem Photius und Bardas Alles nach ihrem Sinne
vorbereitet hatten, ward nun im Jahre 861 ein Concilium in der
Apostelkirche zu Constantinopcl eröffnet, bei dem, nebst den päpstli-
chen Legaten, 316 Bischöfe gegenwärtig waren, und auch der Kai-
ser , sammt vielen Großen und unzähligem Volke erschien. Igna-
tius ward auch dazu berufen. Auf die Frage, in welcher Eigen-
schaft, ob als Patriarch, oder als Priester, oder als Mönch, er bei
demselben erscheinen sollte? ließen die päpstlichen Legaten ihm die
Antwort geben, daß er sich Hierinfalls nach seinem eigenen Gewissen
richten möge. Ignatius wollte im Patriarchalanzuge erscheinen; al-
lein auf dem Wege zur Versammlung erschienen Abgeordnete des
Kaisers, mit dem Auftrage, diesen Anzug abzulegen, und im einfa-
chen Mönchsgewande zu erscheinen. Er gehorchte.
Die Versammlung bestand größtcntheils aus Bischöfen, die dem
Photius anhingen, oder aus solchen, welche von dem Hofe gegen
den Ignatius gewonnen waren. Der Kaise^ und Bardas übten eine
ihnen nicht gebührende Gewalt über die Versammlung aus. Man
hatte nicht im Sinne, die Sache des Ignatius nach Pflicht und
Recht zu untersuchen, sondern ihn zu verurtheilcn, oder wenigstens
doch von ihm es zu erzwingen, daß er der Patriarchenwürde selbst
entsage. Ignatius stand vor der Versammlung mit heiterm Ge-
sichte im Gefühle seines Rechtes und seiner Unschuld. Mit festem
Muthe stellte er vor, wie sehr die Wcrfahrungsweise der Versamm-
lung den Kirchcnsatzungen entgegen sey, forderte von den päpstlichen
Legaten, daß sie vor Allem den eingedrungenen Patriarchen Photius,
der die heiligen Weihen nicht ordnungsmäßig empfangen habe, ab-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen