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280 Der heilige Wenzeslaus, und dic heilige Ludmilla :c.
ihren, auch böscn Eltern, schuldig sind, nicht verletzte. Sobald er Ruhe
und Ordnung hergestellt hatte, und die christliche Religion so befesti-
get sah, daß er von den Umtrieben der Mutter nichts mehr zu be-
fürchten hatte, rief er sie in das Land wieder zurück, bewies ihr
fortan kindliche Verehrung und Liebe, verschaffte ihr anständigen Un-
terhalt; gestattete ihr aber keine Einmischung in seine Regierung.
Tief schmerzte ihn der Mord, der an seiner frommen Großmutter
Ludmilla war verübt worden. Denselben zu rächen, überließ er Gott,
dem alle Rache gebührt. E" wollte nur allein dem Gefühle der
Verehrung, und der Dankbarkeit folgen. Deßwegen ließ er die
Leiche der heiligen Martnrin, die Gott durch Wunder verherrlichte,
von dem Schlosse Tetin mit großer Feierlichkeit nach Prag über:
setzen. Nach dem Beispiele seines gottseligen Vaters, der in Prag
eine Kirche zur Ehre des heiligen Georgs erbaut hatte, stellte auch
Wenzeslaus in der nämlichen Stadt ein christliches Gotteshaus her,
welches auf den Namen des heiligen Märtyrers eingeweiht wurde.
Er hatte hiezu die Einstimmung des Tuto, Bischofs von Regens-
burg, nachgesucht und erlangt, unter dessen Sprengel damals die
Christen des böhmischen Herzogthums standen. Erst im Jahre 971
erhielt Böhmen einen eigenen Bischof, da von dem Papstr Johan-
nes X11I. die Kirche des heiligen Vitus zu einer Kathedralkirche er-
hoben wurde.
Wcnzeölaus wollte nur noch den Bau dieser Kirche vollenden,
und dann die Regierung des Hcrzogthums an seinen Bruder Boles-
laus abtreten, um sich ganz und ungestört der Förderung des Chri-
stenthums und den Uebungen der Gottseligkeit widmen zu kön-
nen. In der Absicht hatte er auch eine Reise nach Rom be-
schlossen.
Als er mit diesen Anschlägen, dic für seinen Bruder'so schmei-
chelhaft waren, sich beschäftigte, brütete dieser Plane aus, wieder
ihn aus dem Wege räumen, und die Regierung an sich reißen
könnte. Dazu ward er getrieben von seiner ungezügelten Hcrrschbe-
gierde, und vielleicht auch von den Einflüsterungen der gottlosen
Mutter. Unter dem Scheine brüderlicher Liebe lud er den Wenzes-
laus zu sich ein nach Alt-Bunzlau, wo er seinen Wohnsitz hatte.
Wenzeslaus folgte der Einladung. Bei seiner Abreise aus Prag
nahm er von den Seinigen so herzlichen Abschied, als wäre es ihm
vorgeschwebt, er werde nicht mehr zurückkehren, und sie daher nicht
mehr sehen. In Bunzlau wurde er mit großem Gepränge empfan-
gen. Boleölaus heuchelte viele Freude über seine Gegenwart, und
die aufrichtigste brüderliche Liebe, welche Wenzeölaus auf die rüh-
rendste Weise erwiederte. Was bci jenem nur Schein war, das war
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen