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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
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290 Die heilige Mathildio, Königin. ßcm Nachdrucke, niemals abzuweichen von den Wegen der Gottes- furcht, und beständig in gutem Einverständnisse mit einander zu le: bcn. Bald aber that sie einen Schritt, der sich nicht rechtfertigen laßt, der für sie sowohl, als für ihre Sohne und für ganz Deutsch: land die traurigsten Folgen halte, und den sie deßhalb bitter be- reuen mußte. Die besten Menschen fehlen leicht, wenn sie nicht alle Neigun: gen ihres Herzens immer und sorgfältig bewachen. Diese traurige Erfahrung machte auch die sonst so gute Mathildis. Dem Otto, als erstgebornen Sohne, gebührte die Erbfolge in den Staaten sei: nes Waters. Mathildis hatte es aber, aus einer besondern Vor- liebe gegen Heinrich, gerne gesehen, daß diesem die Regierung zu: siele, weil Otto geboren wurde, als sein Water noch nicht deutscher König war. In dieser Hinsicht sollte Heinrich, wie sie meinte, für den Erstgebornen angesehen werden. Dadurch gab sie, freilich ge- gen ihre Absicht, selbst Anlaß zu traurigen Zwistigkciten und Krie- gen zwischen den beiden Prinzen, wobei das Reich sehr viel zu lei- den hatte. In der Uneinigkeit der Sohne fand auch die Mutter eine Quelle großer und lange dauernder Drangsale, aber auch eine Gelegenheit, durch geduldige Ertragung derselben ihren Fehler zu büßen. Bei ihrem großen Zwiespalte, und bei der heftigen, gegen- seitigen Verfolgung waren Otto und Heinrich doch in dem einig, ihre Mutter zu beleidigen und zu kränken. Und gerade von Hein- rich , den sie mehr liebte, hatte Mathildis auch mehr zu leiden. Eine gewöhnliche Folge der blinden Vorliebe der Eltern für dieses oder jenes ihrer Kinder! Es mangelte nicht an Leuten, welche es ungerne sahen, daß die Königin so v,el Almosen gebe, und sie deß- halb bei den Prinzen als eine Verschwenderin anklagten. Diese ga- ben den argen Einflüsterungen Gehör, mißhandelten anfänglich die, welche Mathildis zur Ausspendung derselben brauchte, entzogen ihr bald daraus alle Güter, selbst auch jene, welche sie dem verstorbe- nen Heinrich als Brautschatz mitgebracht hatte, und machten sie so dürftig, als diejenigen waren, welche sie bisher durch ihre Wohlthä- tigkeit unterstützt hatte. Auf solche Weise wollten die Söhne ihre Mutter nöthigen, in ein Kloster zu gehen. Alle diese Kränkungen sah die fromme Mathildis für Schickung Gottes, des liebevollen himmlischen Vaters an, der seine Kinder züchtiget, weil Er sie liebt. Sie setzte daher dem harten Betragen ihrer Söhne nichts anders entgegen, als Stillschweigen und Geduld. Zugleich flehte sie unter vielen Seufzern und Thränen ohne Unterlaß zu Gott, daß er ihre verirrten Kinder wieder zu bessern Gesinnungen, und auf den Weg vollkommener Tugend zurückbringen wolle. Sie hörte nie auf, den Söhnen ihre Liebe zu beweisen, und sie nicht aus mütterlicher
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Titel
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Untertitel
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
Band
2
Autor
Anton Mätzler
Verlag
Landshut Verlag
Ort
Wien
Datum
1840
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.8 x 16.9 cm
Seiten
982
Schlagwörter
Kirche, Gott, Glaube, Religion
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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