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Am 4. Jul i . 292
Ulrich gab nun den Entschluß, Mönch zu werden, ganz auf,
setzte seine Studien mit Eifer fort, und kehrte nach einigen Jahren
in großem Glänze der Tugend und Gelehrsamkeit von St. Gallen
zu seinen Eltern zurück, die Gott von Herzen dankten für das Glück,
einen so guten Sohn zu haben. Bald darauf wurde er von Adal-
bero, dem Bischöfe zu Augsburg, zu dem Amte eines Kämmeres be:
fördert, in welchem er alle Erwartungen auf das Vollkommenste -be-
friedigte. Um das Jahr 909 reiste Ulrich nach Rom, bei den
Gräbern der heiligen Apostel seine Andacht zu verrichten. Marinus,
der damals, weil Afterpäpste ihr Unwesen trieben, die Negierung
der Kirche besorgte, nahm ihn sehr gütig auf, fragte um seine Va-
terstadt, und sprach zu ihm, nachdem er vernommen hatte, daß er
in dem Bisthume Augsburg geboren sey, und in des augsburgischen
Bischofs Diensten stehe: „Mein Bruder! Adalvero, von dem du
sagst, ist nicht mehr. Er ist gestorben, und du mußt, un, Gottes
Befehl zu gehorchen, sein Amt übernehmen." Ulrich widerstrebte
dieser Anordnung, weil er in seiner tiefen Demuth sich des heiligen
Amtes unwürdig hielt. Da sagte Marinus zu ihm: „Warum willst
du dem Rathschlusse Gottes dich widersetzen? Wenn du die ver-
waiste Kirche, da sie unangefochten und in N»he ist, nicht regieren
willst, so wirst du dann die Regierung übernehmen muffen, wenn
sie von den Feinden zerstört, und gänzlich ausgeraubt seyn wird."
Tief bestürzt durch diese Vorsagung des Marinus, verließ Ulrich den
andern Tag Rom, kehrte nach Augsburg zurück, und fand Alles,
wie Jener cs ihm vorhcrgesagt hatte. Hiltin saß auf dem bischöf-
lichen Stuhle, ohne sich um sein Amt anzunehmen. Um diese Zeit
verlor Ulrich seinen Vater. Er zog zu seiner Mutter, und nahm
mit der liebevollsten Sorge sich derselben an.
Hiltin war nicht volle fünfzehn Jahre auf Augsburgs bischöf-
lichem Stuhle. Ulrich wurde auf denselben erhoben, und am 27.
Dezember 924 eingeweiht. Er trat die Regierung seiner Kirche an,
als sie in dem betrübtesten Zustande sich befand, wie es ihm Wibo-
rada und Marinus vorgesagt hatten. Allenthalben sah er nichts,
als Verwüstung. Seine Kirchen lagen im Schütte, die geistlichen
Gebäude waren vom feindlichen Feu^r zerstört, die meisten seiner
Leute vom Feinde erschlagen, die Dörfer ausgeraubt und abgebrannt,
und Jene, welche der Wuth der Feinde und dem Tode entgangen
waren, in die äußerste Dürftigkeit versetzt. Er ließ jedoch, obgleich
entblößt von Menschenhilfe, den Muth nicht sinken, sondern hielt,
im Vertrauen auf Gott, die harte Prüfung standhaft aus. Er rief
seine allenthalben zerstreuten Unterthanen zusammen, sah sich um ver-
ständige Bauleute um, und stellte mit unsäglicher Anstrengung die
im Schütte liegenden Kirchen und Gebäude wieder her. Mit noch
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen