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296 Der heilige Ulrich, Bischof zu Augsburg.
größerem Eifer bemühte er sich, den innern Tempel Go>tes in den
Herzen Aller herzustellen, die seiner Hirten Sorge anvertraut waren.
Nach der Sitte der damaligen Zeit mußten sich die Bischöfe viclfal-
tig bei den Regenten des Landes aufhalten, die ihrer weisen Rath.-
schlage und ihrer Hilfe in Staatsangelegenheiten und in Kriegssa-
chcn sich bcdicntcn. Mit seltener Treue leistete Ulrich diesen Dienst
dem deutschen Könige Heinrich, und nachdem dieser im Jahre 936
gestorben war, dessen Sohn und Nachfolger, dem Könige Otto. Um
aber in der Zukunft von weltlichen Geschäften los zu werde», brachte
er es dahin, daß seiner Schwester Sohn, Adalbcro, seine Stelle an
dem königlichen Hofe vertreten durfte. Dadurch ward er, wie er es
lange schon so sehnlich gewünscht hatte, in den Stand gesetzt, ganz
und ungehindert dem Dienste Gottes obzuliegen, über die ihm au:
vertraute Hccrde zu wachen, das Beste seiner Kirche zu besorgen, die
Armen zu erquicken und pünktlich zu befolgen die Erinnerung des
Apostels: -,Niemand, der für Gott kämpfet, mischet sich in weltliche
Geschäfte, damit er dem gefalle, dem er sich verpflichtet hat."
Zwischen den Jahren 950 und 960 wurde der heilige Ulrich
in der segcnsvollcn Laufbahn seines apostolischen Wirkens durch Kriegs-
unruhen aufgehalten, die ihm große Drangsale verursachten, aber
doch die fromme Zuversicht und den ausharrenden Muth nicht rau-
ben konnten. Luitolf, der Sohn des Kaisers Otto, entzweite sich
mit seinem Oheim, Heinrich, dem Herzog im Norikum, und empörte
sich gegen seinen Vater, der sich um die gerechte Sache Heinrichs
annahm. Arnulf, der Herzog in Bayern, wurde dem Kaiser un-
treu, schlug sich auf die Seite Luitolfs, ging auf Augsburg loo,
raubte, und richtete allenthalben große Verheerungen an. Ulrich
blieb nach seiner Pflicht dem Kaiser unverbrüchlich getreu. Die stand-
hafte und unerschütterliche Tugend siegte über Treulosigkeit und Un-
gerecht gkeit. Arnulf wurde zu Schwabmünchen, unweit Augsburg,
geschlagen, und verlor bald darauf zu Regcnsburg sein Leben. Ul-
rich und Harbert, Bischof von Chur, brachten endlich tie Aussöh:
nung zwischen Otto und Luitolf zu Stande, und so wurde die Ruhe
wieder hergestellt. Sie war aber von kurzer Dauer. Ein neuer
Krieg verursachte neue, noch größere Leiden. Im Jahre 955 über-
schwemmten die Ungarn ganz Deutschland, von der Donau bis an
den Schwarzwald, und richteten aller Orten d,'e gräulichsten Verhee-
rungen an. Als sie über den Lech setzten, verbrannten sie die Kirche
der heiligen Afra, und belagerten Augsburg, das nur mit niedern
Mauern umgeben, ohne Thurm, und nur sehr schwach befestiget war.
Ulrich hatte den Kern der Soldaten bei sich in der Stadt. Sie
brannten vor Begierde, mit dem Feinde sich zu schlagen. Der fromme
Bischof aber hielt sie zurück, und ließ das schwächste Thor verrann
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen