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Am 4. Jul i . 297
meln. Der Feind rückte gegen das auf der Morgcnseite liegende
Thor mit aller Gewalt heran; wurde aber mit großem Verluste in's
Lager zurückgejagt. Bei diesem Sturme war Ulrich zugegen, auf
einem Pferde, ohne Schild, ohne Panzer und ohne Helm, nur allein
mit der Stole bewaffnet, und obschon ein ganzer Regen von Pfei-
len und Steinen auf ihn zuflog, so kam er doch, geschützt von dem
Allmächtigen, unverletzt davon. In der nächsten Nacht ließ er neue
Anstalten zur Vertheidigung der Stadt machen; er selbst aberbrachte
die ganze Nacht im Gebethe zu, und befahl den in der Stadt ver-
sammelten Weibern, daß ein Theil derselben eine Prozession halten,
der andere in der Domkirche die Hilfe der göttlichen Mutter für die
Beschützung des Volkes und für die Befreiung der Stadt mit zur
Erde gesenktem Angesichtc erflehen sollte. Ein Geschichtschreiber er-
zählt: Ulrich habe viele kleine Kinder auf den Altar vor sich hinle-
gen lassen, und durch ihr Wimmern, vermischt mit seinen heißen
Thränen, die Hilfe Gottes erflehet. Frühe Morgens entrichtete er
das hochheilige Opfer, stärkte die bei demselben Anwesenden mit dem
Brode des Lebens, und ermunterte sie in einer fcuerigen Rede zum
Vertrauen auf Gott. Kaum war die Sonne aufgegangen, als ein
unzähliges Heer der Ungarn von allen Seiten gegen die Stadt her-
anrückte, versehen mit verschiedenen Instrumenten, die Stadtmauer
umzuwerfen. Da Alles zum Kampfe fertig, und alle Schanzungen
dcr Stadt mit Streitern besetzt waren, trieben einige der Feinde die
Ihrigen mit Peitschen zum Angriffe; diese aber, weil ihnen die
Schanzungen mit unzähliger Menge besetzt schienen, erstarrten vor
Furcht, und getrauten sich nicht, dcr Mauer sich zu nähern. Eben
jetzt zog der Kaiser Otto mit seinem Kriegsheere heran. Die Un-
garn hoben schnell die Belagerung der Stadt auf, und zogen ihm
entgegen. Ulrich schickte seinen Bruder Dietpold mit seinen besten
Truppen dem Kaiser zu Hilfe. Es begann eine fürchterliche Schlacht,
in welcher die Ungarn eine gänzliche Niederlage erlitten. Die fol-
gende Nacht brachte Otto bei dem Bischöfe zn, und beide priesen
Gott für die augenscheinliche Hilfe, durch die er einen so herrlichen
Sieg ihnen verliehen hatte.
Nach der Abreise des Kaisers war Ulrichs erste Sorge, die Lei-
chen seines Bruders Dietpold und seines Neffen Reginbold, welche
in der Schlacht getödtet worden, zu begraben. Darauf berath-
schlagte er sich mit den Scinigcn, auf welche Weise der von dem
Feinde angerichtete Schaden wieder gut gemacht werden könne. Er
verschaffte den Geistlichen, die durch den Krieg das Ihrige verloren
hatten, den nöthigsten Unterhalt, und unterstützte nach seinen Kräf-
ten auch Andere, die der Feind beraubt hatte. Er stellte die zer-
störten Gebäude und Kirchen wieder her, insbesondere die Kirche der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen