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308 Die heilige Adelhaid, Kaiserin.
Höftinge, und endlich selbst auch ihre Schwiegertochter Thcovhania,
die Gemahlin des jungen Kaisers, gegen sie in Bewegung. Von
diesen ließ Otto sich einnehmen, und entfernte seine Mutter von den
Regierungsgeschäften. Damit war aber Theophania nicht zufrieden.
Sie fügte der guten Adelhaid so vicle Kränkungen zu, daß sie
Deutschland verließ, und zu ihrem Bruder nach Burgund sich be-
gab. Die fromme Fürstin ertrug mit unerschütterlicher Geduld alle
diese Leiden, bethete ohne Unterlaß für ihren Sohn, daß Gott den
Handen böser Rathgcber ihn entziehen wolle, und lebte bei ihrem
Bruder in stiller Zurückgezogenheit, in der sie sich einzig den Uebun«
gen der Gottseligkeit und den Werken der Liebe widmete. Deutscht
land empfand bald, was es an der gottesfürchtigen Aoelhaid verlo:
ren hatte. Selbst Otto sah es ein, wie übel er gethan, daß er
seine Mutter entfernt habe. Taglich gingen feine Sachen schlimmer.
Diele Umstände benutzte Majolus, der Abt von Llugni. Er reiste
mit Adelhaid nach Italien, wo Otto sich eben aufhielt, rührte durch
seine Vorstellungen das Herz des Kaisers, und stiftete die aufrich-
tigste Versöhnung zwischen der Mutter und dem Sohne. —
Otto I I . wurde nur acht und zwanzig Jahre alt. Er starb
im Jahre 983 zu Rom. Der so frühe Tod des Sohnes war ein
harter Schlag für die Mutter, den sie standhaft ertrug, weil sie ge-
lernt hatte, in allen Bedrängnissen anzubethen Gottes Vorsehung,
und n allen Umständen sich derselben in Demuth zu unterwerfen.
Otto I I . hatte einen Prinzen hinterlassen, der unter dem Namen
Otto I I I . als sein Nachfolger anerkannt wurde. Dieser war aber
erst neun Jahre alt, weßwegen Adelhaid es für ihre Pflicht hielt,
ihn mit ihrem Rathe, und mit ihrem ganzen Ansehen zu unterstützen.
Allein ihre guten Absichten und Bemühungen wurden größtenthcils
vereitelt von der Kaiserin Thcovhania, der Mutter des jungen Kai-
sers. Die Prinzessin, so viele gute Eigenschaften sie sonst hatte, wurde
über das große Ansehen der tugendhaften Adelhaid wieder so eifer-
süchtig, als ehemals unter Otto I I . Dazu trugen ihre griechischen
Minister sehr viel bei, und reizten, sie unaufhörlich gegen ihre Schwie-
germutter auf. Theophania arbeitete darauf hin, die Adelhaid durch
Vcrdrüßlichkeiten und Kränkungen jeder Art abermals vom Hose zu
verdrängen. Diese ertrug alles mit Geduld, setzte der üblen Be-
handlung Demuth und Sanftmut!) entgegen, uno flehte unablässig
zum Herrn, daß er ihr Ergebung in seinen heiligen Willen, ihrer
Schwiegertochter aber den Geist des Friedens und der Eintracht schen-
ken wolle. Dabei beftieß sie sich, der Gnade des Himmels durch
reichliche Almosen, und andere Liebeswerke sich würdig zu machen.
«Die Hand Gottes," pflegte sie zu sagen, „schlagt mich, um mich
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen