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Am 19. Dezember. 309
zu heilen von meinen vielen Schwachheiten, besonders von meiner
Eigenliebe und eitlen Einbildungen."
Theophania starb. Nach ihrem Tode baten die Großen des
Reiches, und selbst Otto, die heilige Adelhaid dringend, daß sie die
Verwaltung des Reiches wieder auf sich nehme. Sie unterzog sich
daher auf's Neue den Geschäften der Regierung. Ungeachtet sie
jetzt alle Gewatt in der Hand hatte, an ihren Feinden und Verfol-
gern sich zu rächen, that sie gerade das Gegentheil; denn sie halte
sich's, wie Odilo sagt, zur Gewohnheit gemacht, allen Beleidigern
das Böse mit Gutem zu vergelten. Die neue Würde, mit der sie
jetzt begleitet war, betrachtete sie als eine schwere, drückende Last.
Weit entfernt, von dem Glänze derselben sich blenden zu lassen, war
sie nur darauf bedacht, die wichtigen Rcgcntenpsiichten getteulich zu
erfüllen. Die dazu nöthige Weisheit und Starke suchte und fand
sie im Gebethe, das sie nie versäumte.' Sie hatte die bestimmten
Stunden zum Umgänge mit Gott; und da seufzte sie oft für dic
Sünden des Voltes, denen sie auf keine Weise abhelfen konnte.
War sie genöthigt, nach den Gesetzen Strenge zu gebrauchen, so
milderte sie dieselbe immer durch ihre Sanftmuth, und durch das
Mitleiden, die sie den Bösen und Strafbaren bewies. Dadurch be-
festigte sie die allgemeine Achtung und Liebe, die sie genoß. Die
gute Ordnung, welche in ihrem Palaste herrschte, glich mehr der
strengen Klosterzucht, als dem Hofleben. Sie machte in verschiede-
nen Ländern viele fromme Stiftungen, besonders zu Magöeburg.
Die Stadt Augsburg verdankt ihr die Wiederherstellung der Dom-
kirche. Mit großem Eifer nahm sie sich der Bekehrung der nordi-
schen Völker an. —
In ihrem letzten Lebensjahre, nachdem Otto I I I . bereits ein
Alter erreicht hatte, die Regierung selbst übernehmen zu können, be-
gab sich die heilige Adelhaid nach Burgund, daselbst zwischen ihrem
Enkel Rudolph, und den gegen ihn empörten Unterthanen den Frie-
den herzustellen, was sie auch glücklich, unter Gottes Beistand zu
Stande brachte. Bei diesem Anlasse besuchte sie die berühmte Abtei
Clugni, wo ihr der fromme Abt Odilo den nahen Tod vorhersagte.
Ueberall, wo sie durchreiste, theilte sie reichliche Almosen an die
Armen, und ansehnliche Geschenke an dic Kirchen aus. AIs sie zu
Selz im Elsaß ankam, wo sie zwölf Jahre vorher ein schönes Klo-
ster hatte erbauen lassen, ward sie von einer Krankheit ergriffen,
die bald so bedenklich wurde, daß sie sich die heilige Wegzehrung
und die letzte Oelung reichen ließ. Da ihr Ende nahe war, ersuch-
ten sie die anwesenden Priester, die Bußpsalmen und die Litanei
von allen Heiligen ihr vorbethen zu dürfen. Sie bemühte sich an-
fanglich laut, dann stille im Herzen mitzubethen, bis sie endlich ihren
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen