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314 Der heil. Wolfgang, Bischof in Regensburg.
legte er den Grund zu jenem Glänze, mit dem er in der Folge
durch seine Kenntnisse sowohl, als durch seine Gottseligkeit so herr-
lich leuchtete. Von der Reichenau begab er sich nach Würzburg auf
das Zureden und in Begleitung Heinrichs, eines Bruders des Popo,
der damals der Würzburgischen Kirche als Bischof vorstand, und ei:
nen berühmten Lehrer, Stephanus mit Namen, aus Italien berufen
hatte. Diesen Mann zu hörcu, war die Absicht Heinrichs und Wolf-
gangs. Heinrich war aus einer der vornehmsten Familien Schwa-
bens, schenkte dem Wolfgang die freundschaftlichste Zuneigung, und
unterstützte ihn sowohl auf der Reise, als auch in Würzburg mit
Allem, was ihm nöthig war.
Die neuen Schüler wurden von dem Lehrer Stephanus gütig
aufgenommen. Beiden schenkte er seine Gewogenheit, welche aber
für Wolfgang von kurzer Dauer war. Dieser erklärte seinen Mit-
schülern auf ihr Verlangen eine Stelle aus dem Martian gründlicher
und faßlicher, als es von dcin Lehrer geschehen war. Dieß bclei:
digtc den Stolz des Stephanus so sehr, daß er ihm den fernern
Zutritt zu seinem Unterrichte versagte. Wolfgang setzte dessen unge-
achtet sein Bestreben in den Wissenschaften mit unermüdetem Eifer
fort, zumal in der Erforschung der göttlichen Bücher, wo ihm sein
demüthiger und frommer Sinn mehr Licht v^schaffce, alö alle Weis-
heit eitler Lehrmeister cs zu thun im Stande war. Endlich faßte
er den Entschluß, der Welt ganz zu entsagen, und in der Einsam-
keit eines Klosters dem beschaulichen Leben sich zu widmen. Davon
hielt ihn ber sein Gönner und Freund Heinrich zurück, welcher
glaubte, daß ein solcher Mann der öffentlichen Wirksamkeit nicht
entzogen werden solle.
Im Jahre 956 wurde Heinrich von dem Kaiser Otto I. auf
den crzbischöftichen Stuhl in Trier berufen. Er wendete alles an,
den Wolfgang zu bewegen, daß er mit ihm dahin ziehe. Er wollte
ihn zu seinem ersten Gehilfen machen, und mit geistlichen Würden
und einem anständigen Gehalte belohnen. Lange widersetzte sich der
demüthige Wolfgang dem Zureden und dem Bitten seines Freundes.
Erst dann ließ er sich bereden, nach Trier mit dem neuen Erzbischofe
zu gehen, als dieser ihm versprach, daß er sich seiner nur zum un-
cntgeldlichen Unterrichte der Jugend in der Schule bedienen wolle.
Wolfgang verschmähte hohe, einträgliche Aemter, und blieb au nie-
derer Stufe stehen, frei von jedem Eigennutze, von aller Selbstsucht
und Eitelkeit. Dem mühevollen, von Vielen gering geachteten, ob-
gleich sehr wichtigen, Berufe eines Iugcndlehrers widmete er sich
mit beispiellosem Fleiße. Seine Zöglinge, die er durch vaterliche
Liebe an sich zog, machten die glänzendsten Fortschritte in der Fröm-
migkeit sowohl, als in den Wissenschaften. Einem solchen M.mne
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen