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Am 31. Oktober. 317
Einwendungen, insbesondere auch wegen Schmälerung der Einkünfte,
machte. Der fromme Bischof widerlegte die Einwendungen, behaup:
tete standhaft, daß man den zeitlichen Verlust dem Heile der See«
len opfern müsse, und gestattete den Böhmen, was sie verlangten.
Auf seine Anleitung ward ihr erster Bischof, der heilige Adalbertus,
welcher nachher die christliche Lehre bei den Preußen mit seinem
Blute bekräftigt hat. Der Ruhm des heiligen Wolfgangs war all-
gemein verbreitet. Hohe und Niedere bewiesen ihm allenthalben
unbegränztes Vertrauen, und die größte Verehrung. Heinrich, der
Herzog in Bayern, übergab seine zwei Töchter dem weisen und
frommen Bischöfe zum Unterrichte. Wolfgang besaß die seltene Gabe
eines angenehmen und faßlichen Lehrvortrags, und eine ganz eigene
Weise, die Gemüther zu gewinnen und zu bilden. Seine Freund-
lichkeit leitete ihn dabei auf manchen Scherz. So pflegte er den
ältern Sohn Heinrich, einen Kaiser; den jüngcrn, Bruno, einen
Bischof; die ältere Tochter Gisela, eine Königin; ke jüngere, Bril
gitta, eine Äbtissin zu nennen. Der Scherz ward in der Folge
zum Ernst, oder die Prophezeiung zur Wirklichkeit. Heinrich
wurde deutscher König und dann Kaiser, Bruno Bischof zu Augsl
bürg, Gisela Königin von Ungarn, und Brigitta Äbtissin zu Re<
gensburg.
Nach zwei und zwanzig Jahren seines bischöflichen Amtes wurde
Wolfgang auf einer Reise nach Pechlarn in Unterösterreich zu Pup-
pingen von einem heftigen Fieber angefallen. Er ließ sich in die
Kirche des heiligen Othmars tragen, empfing da die heiligen Sakra-
mente, und erinnerte die Seinigen, daß sie stets ein Gott wohlgec
fälliges Leben führen sollten, indem sie einst genaue Rechenschaft hie-
von geben müßten. Darauf ließ er sich auf das Angesicht vor den
Altar hinlegen. Die Diener wollten das Volk aus der Kirche ent-
fernen; er aber verwehrte es, indem er sagte, es sey aanz recht,
daß die Schafe den Hirten sterben sehen, weil auch der Hirt aller
Hirten im Angesichte einer unzähligen Menge seinen Geist in die
Hände des himmlischen Vaters übergeben habe. Endlich empfahl er
sich und seine Heerde dem Schöpfer und verschied in dem Herrn —
im Jahre 994.
Nach sieben Tagen wurde der Leichnam des Heiligen nach Re-
gensdurg gebracht, und bei St. Emmeram feierlich beerdigt. Die
Thränen der Armen, Wittwen und Waisen verkündeten den großen
Verlust ihres Vaters und Ernährers. Im Jahre 1032 nahm Papst
Leo IX., als er in Deutschland sich befand, den Kaiser Heinrich I I I . ,
mit dem Könige von Ungarn zu versöhnen, den seligen Wolfgang
in die Zahl der Heiligen auf.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen