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Das eilfte, zwölfte und dreizehnte
Jahrhundert.
Wie schwere Gewitterwolken zogen die dämmernden Zeiten des
zehnten Jahrhunderts hcran, und drohten den folgenden eine gänz-
liche Nacht. Spaltungen der Kirche im Morgcnlande, wo die hef-
tigen Erschütterungen, welche Phozius angeregt hatte, aufs Neue
den Einsturz drohten, Unordnungen in der kirchlichen Rangordnung,
Verfall der Sitten in der Geistlichkeit und in dem Volke verwunde-
ten das Herz der göttlichen Braut Christi, der heiligen Kirche, die
mit tiefer Wehmuth die Kämpfe in ihrem Innern sah, indeß dichte
Finsterniß der Abgötterei noch schwer über den nordischen Völkern
brütete. Groß war der Verfall der Wissenschaften, und nicht weni-
ger groß das allgemeine Verderben der Sitten. Bei der Geistlich-
keit, der hohen und der niedern, war herrschend geworden das La-
ster der Simonie, d. h. die geistlichen Würden und Aemter wurden
durch Geld erkauft, oder durch Gunst erlangt. Die unvermeidliche
Folge hievon war, daß sich in das Heiligthum viele Unwürdige ein-
drängten, welche, eingenommen vom argen Geiste der Welt, nur
weltlichen Bestrebungen sich hingaben, und ihrer Habsucht, ihrer
Ehrbegierde und ihrem Wohlleben die Wohlfahrt der Kirchen und
das Heil der Seelen opferten. An ihnen, als Knechten der Sinn-
lichkeit, offenbarten sich auch alle Werke der Sinnlichkeit, die
der Apostel im Briefe an die Galater (5, 20) zeichnet; „Ehe-
bruch, Hurerei, Unreinigkeit, Geilheit, Giftmischerei, Feindschaft,
Zank, Neid, Zorn, Streitigkeiten, Spaltungen, Partcigcist, Haß,
Mord, Trunkenheit, nächtliche Schwärmereien, und dergleichen/- Sie
setzten nach dem Eintritt in den geistlichen Stand ihre unlautcrn
Verbindungen fort, oder knüpften neue an, und fröhnten ungeschcut
der Befriedigung ihrer fleischlichen Gelüste. In sehr vielen Mönchs-
klöstern riß nicht weniger großes Verderben ein. Die Bande der
klösterlichen Zucht und Ordnung wurden gelöst, die geistlichen Uebun-
gen vernachlässiget, die Wohnungen der Gottseligkeit zu Taumel-
plätzen weltlicher Umtriebe und eines zügellosen Lebens gemacht.
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen