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324 Das eilfte, zwölfte und dreizehnte Jahrhundert.
Auch da offenbarten sich die Werke der herrschend gewordenen Sinn-
lichkeit auf eine fürchterliche Weise.
Was mußte bei solchen Hirten aus der Heerde werden, was
bei solchen Führern auö dem glaubigen V^lke? Das Aergerniß
breitete sich aus, gleich einer verheerenden Fluch, und zog, wie ein
reißender Strom Unzählige ins Verderben. Das glänzende Licht
des Glaubens ward allenthalben verdunkelt, die Liebe erkaltete, die
wesentlichen Religionspsiichten wurden vernachlässiget, und an deren
Stelle vielfältig Werte pharisäischer Frömmigkeit gesetzt; die Sitten:
losigkeit nahm überHand, und rode Sinnlichkeit übte ihre Allgewalt
aus bei allen Standen, über Hohe und Niedere.
Die römischen Päpste, mehrere Bischöfe, und einige Aebte kämpf-
ten zwar anhaltend und muthvoll für die Handhabung der Kirchen-
satzungen, nm dadurch zu steuern den Ausschweifungen der Geistlich-
keit, und der Zuchtlosigkeit der Mönche. Diese aber setzten den
heilsamsten Verfügungen Widerspruch und Tl^tz entgegen, gingen
fort auf der bösen Bahn, die sie betreten hatten, suchten, wenn
kirchliche Strafen gegen sie verfügt wurden, den Schutz der weltli-
chen Machthaber gegen die Gewalt ihrer geistlichen Obern, und ver-
anlaßten dadurch zwischen diesen eine Entzweiung, aus welcher ein
neues, sehr großes Unheil erfolgte, ein lange dauernder Kampf zwi-
schen den höchsten geistlichen und weltlichen Gewalten. So drohten
in den höchst betrübten und vechängnißvollen Zeiten des zwölfien
und zum Theile auch noch des dreizehnten Jahrhunderts nicht nur
wogende Verheerungen von Außen, sondern auch Auflösung der Zucht
im Innern dem Schifflein Pelri den Untergang. Allein zart und
wunderbar wachle das Auge des göttlichen Bräutigams über seine
heilige, mit seinem Blute erkaufte Kirche. In der größten Noth
erhörte der Herr das Flehen der Seinigen, indem er durch Erweckung
neuer Sonnen das dunkle Nachtgewölk verscheuchte, und die Stürme
besänftigte. In tiefen Wüsteneien, in jenen Zufiuchtüstatten der stil-
len Tugend, die, vo» der Welt gesondert, sich rein und unbefleckt
bewahrte, die Lehren des Himmels betrachtete, und mit heiliger
Liebesglut sich erfüllte, bildeten sich Männer, die das himmlische
Licht, das sie dort eingesogen hatten, vor den Menschen leuchten
ließen; Verkündiger des Evangeliums, welche die heilige Lehre mit
ihrem Blute besiegelten. Neue Völker harretcn des göttlichen Thaues,
und gaben der Kirche reichlichen Ersatz für den Verlust, den sie im
Morgenland erlitten hatte. Manchen war das neue Licht bereits
aufgegangen, und Könige erweckte der Herr, die das Herz ihrer
Völker lenkten, daß sie mit ihnen dem himmlischen Evangelium hul-
digten. Herrlichen Glanz verbreiteten im cilften Jahrhunderte der
Kaiser Heinrich, die Könige Stephanus und Ladislaus von Ungarn,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen