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Am 12. September. 329
derung und viele Lobeserhebungen z». Sein dcmüthiger Sinn wollte
sie nicht ertragen. Aus dieser Ursache, und getrieben von der from-
men Begierde, die heiligen Länder zu besuchen, verließ er zum zwei-
tenmal? seinen Hirchendienst, und unternahm eine Wallfahrt über
Rom, wo er bei den Gräbern der heiligen Apostel seine Andacht
herrichtete, nach Jerusalem. Die Rührung, mit der scin Herz er-
füllt wurde durch den Anblick der Orte, welche der Heiland durch
stin Leiden und Sterben geheiliget hatte, läßt sich nicht beschreiben.
Mit heißen Thränen benetzte er das Erdreich, welches der Mensch
gewordene Sohn Gottes mit seinem Blute gefärbt hatte. Außer
Jerusalem und Rom besuchte er noch viele andere berühmte Andachts-
orte der christlichen Welt. Sieben volle Jahre brachte er mit die-
sen frommen Wanderungen zu, bei denen er stets als strenger Bü-
ßer lebte. Da er aus dem Morgcnlandc nach Rom zurückkam, traf
er den Dechant von Anderlcch dort an, welcher ebenfalls mit eini-
gen Gefährten eine Wallfahrt in das gelobte Land machen wollte.
Der Dechant bat ihn, daß er die Reise nach Jerusalem noch ein-
mal unternehmen, und scin und seiner Gefährten Führer seyn wolle.
Guido zeigte sich hiezu bereit, und bot sich nicht bloß zum Führer
sondern auch zum Diener an. Der Dechant und seine Gefährten
starben auf der Rückreise nach Europa an einem ansteckenden Fieber.
Guido pflegte sie brüderlich, erwies ihnen die letzte Ehre, und kehrte
endlich in scin Vaterland zorück, ganz erschöpft von den Mühselig:
keiten seiner Reisen, und behaftet mit einem Bauchflusse, der das
nahe Ende seines Lebens befürchten ließ. Der Untcrdcchant des
Stiftes zu Andcrlech nahm ihn zu sich, und pflegte ihn mit sorg-
fältiger Liebe. Allein d!c Schwäche des Gott ergebenen Dulders
nahm mit jedem Tage zu, und eine himmlische Erscheinung deutete
ihm den nahe bevorstehenden Tod an, zu welchem er sich mit gro-
ßem Eifer vorbereitete. Kurz vor seinem Hinscheiden vernahm man,
indem ein himmlisches Licht sein Kämmerlein erleuchtete, die Stimme:
„Unser Geliebter komme, in Empfang zu nehmen die Krone der
ewigen Seligkeit, denn er hat den Glauben bewahrt." Nach der
wahrscheinlichen Meinung der Geschichtschreiber wird der Tod des
heiligen Guido auf den 12. September des Jahres 1012 gesetzt.
Seine Leiche wurde von den Stiftsherrn zu Anderlech ehrenvoll be-
graben, und in der Folge über das Grab, weil bei demselben viele
Wunder geschahen, eine Kirche erbaut, in welcher seine Reliquien
der Verehrung ausgesetzt sind.
In jedem Stande kann der Mensch sein Heil wirken. Die
gemeinsten, in den Augen der Welt geringfügigsten Arbeiten sind
Gott wohlgefällig, und der himmlischen Belohnung würdig, wenn
sie im Stande der Gnade verrichtet werden. Jeder Mensch kann
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen