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Am 7. Februar. 335
nentaumel seine Freude ihm vergällt. Er fühlte zu etwas Erhab-
nern sich geboren. Nicht selten weinte er dann in der Einsamkeit
über Nerirrungcn, und pstcgte, zumal, wenn er auf der Jagd in
einem schattigen Walde allein wandelte, mit Thränen aufzurufen:
„O! wie selig waren jene alten Einsiedler, die, fern von dem Ge-
rausche der Welt, dem Herrn in einem so traulichen Aufenthalte
dienen konnten." Also schwankend zwischen jugendlichen Verirrungen
und bessern Vorsätzen erreichte er sein zwanzigstes Jahr.
Um diese Zeit gerieth Eergius, sein Vater, ein geiziger und
jähzorniger Mann, .ines Grundstückes wegen in heftigen Wortwech-
sel mit einem nahen Verwandten, und forderte diesen zum Zwei:
kämpfe heraus, welchem bei Strafe der Enterbung Romuald beiwoh-
nen mußte, wie sehr ihm auch vor dieser Zumuthung schauderte.
Sergius erstach seinen Gegner, und Nomuald, von Schrecken und
Schauder über diesen Mord durchdrungen, dessen er gewissennassen
sich selbst schuldig achtete, floh in das, eine Stunde weit entlegene
Kloster des heiligen Apollinaris, daselbst durch eine vierzigtägige
Buße sich zu reinigen. Allein anders hatte der Herr es beschlossen.
Lauter als je, erscholl in dieser Einsamkeit die Stimme des götlli:
chen Rufes in seinem Innern; selbst mitten in den Uebungen der
strengsten Buße, erfüllte himmlische, noch nie gefühlte Lieblichkeit
sein Herz; in ihrer Riesengroße entfaltete sich ihm die Ewigkeit,
und in ihrer ganzen Nichtigkeit die Welt. Fester ward nun mit
jedem Tage der Entschluß, sein ewiges Heil zu wirken. Unabänder-
lich beschloß er, die Welt zu verlassen, und dem göttlichen Dienste
sich zu weihen. Er verlangte demnach flehentlich das Ordenskleid,
welches die Väter, den Zorn des Sergius fürchtend, lange ihm ver-
sagten, bis endlich seine unerschütterliche Standhaftigkeit, und die
Verwendung des Honestus, Erzbischofs von Ravenna, sie überwand.
In diesem Kloster legte Romuald den Grund zu jener Heiligkeit,
welche sein ganzes künftiges Leben überglänzte. Wie ein flammen-
der Stern leuchtete er den Brüdern in hohen Tugenden und heiliger
Liebe vor. Allein der Eifer, mit welchem er alle Ordensregeln des
heiligen Benedikt erfüllte, war den Unvollkommenen eine beständige
Stralrede, und Viele verfolgten ihn mit so unversöhnlichem Hasse,
daß er, ihren bösen Anschlägen vorzubeugen, nach sieben Jahren,
die er daselbst verlebt hatte, mit der Erlaubniß des Abtes, sich ent-
fernt, und in der Gegend von Venedig sich ansiedelte, wo er unter
der Leitung eines heiligen Einsiedlers, Marinus mit Namen, in je-
der Tugend, zumal aber in heiliger Selbstverleugnung, sich vervoll-
kommnete.
Unter der großen Anzahl jener, welche der Ruf seiner großen
Heiligkeit bald in jene Einöde führte, ihres Heils wegen Raths
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen