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Am 7. Februar. 337
beharrete, was er auch bewirkt; denn zu seiner innigen Freude er-
lebte cr, daß sein Vater in bußfertiger Frömmigkeit das Leben voll-
endete, und im Rufe der Heiligkeit starb.
Kaum erscholl das Gerücht, daß Romuald in Italien ange-
langt sey, so folgten in so großer Anzahl Menschen ihm nach, die
seiner geistlichen Leitung sich unterwerfen wollten, daß man genö-
thigt war, mehrere neue Klöster zu errichten. Er selbst wurde von
den Mönchen zu Classis zum Abte erwählt; doch konnten sie auf
keine Weise ihn bewegen, diese Würde anzunehmen. Kaiser Otto 11l.,
der damals zu Ravcnna sich aufhielt, und dem ungemein viel an
der Verbesserung der klösterlichen Zucht gelegen war, begab sich deß-
halb zu dem Heiligen, und bat ihn flehentlich, in das Gesuch des
Klosters einzuwilligen. Als aber seine dringende Bitte eben so we-
nig vermochte, wendete er sich an die damals zu Ravcnna versam-
melten Bischöfe, welche bei Strafe des Kirchenbannes ihm befahlen,
die Leitung dcs Klosters zu übernehmen. Bald jedoch bereuten es
die Mönche gar sehr, daß sie einem Manne sich unterworfen hatten,
der mit aller Strenge auf Beobachtung der Ordensregeln hielt; sie
empörten sich gegen ihn, und behandelten ihn mit erniedrigender
Schmach. Voll der Sanftmuth duldete indessen der heilige Abt
diese Mißhandlungen von seinen Untergebenen in der Hoffnung, daß
die Widerspenstigen ihren straflichen Wandel ändern, und zur Ord-
nung zurückkehren würden. Als aber das Uebel täglich ärger wurde,
und er es nicht vermochte, demselben zu steuern, beschloß er, das
Kloster zu verlassen, und dem Kaiser, der damals Tivoli belagerte,
Rechenschaft von seinem Verfahren zu geben. Da Otto seine Ent-
sagung nicht annehmen wollte, legte Romuald in Gegenwart des
Erzbischofs von Ravenna sein äbtliches Kreuz zu den Füßen dcs
Kaisers nieder. Wie die Erscheinung eines Friedens-Engels, war
die Erscheinung Romualdö zu Tivoli, Denn zur Plünderung ver-
urtheilt war diese unglückliche Stadt, die sich empört, und ihren
Gouverneur Matholino ermordet hatte. Auf dringendes Bitten des
Heiligen verschonte sie der Kaiser; selbst der Senator Crescentius,
das Haupt der Empörer, war in der allgemeinen Verzeihung mitbe-
griffen; sogar durch einen Eid hatte der Kaiser sich verpflichtet, ihm
das Leben zu schenken. Da aber Trotz dieses feierlichen Versprechens
Otto ihn enthaupten, und überdieß das Weib desselben entführen ließ,
hielt Romuald mit heiliger Kühnheit die Größe dieses zweifachen
Verbrechens ihm vor, und legte als sein Beichtvater ihm eine
schwere öffentliche Buße auf. Erschüttert durch die Vorstellungen
des Heiligen unterwarf, gleich einem andern David, Otto nicht nur
sich der Buße, sondern sein von Jugend auf zur Frömmigkeit ge-
neigtes Herz gab überdieß wahrer Reue über alle früheren Werge-
Zweiter Vand. 22
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen