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Am 19. Jul i . 341
heiligen Romuald, und machte eben so schnelle als große Fortschritte
geistiger Vollkommenheit.
Lange Zeit hatte er so gelebt, als er nun den Entschluß aus-
zuführen gedachte, den Ungläubigen das Evangelium zu verkündigen,
und in diesem Berufe den Marterkranz zu erwerben, wenn Gott ihn
dessen würdigen wollte. Er reiste, begleitet von einigen Brüdern,
zuerst nach Rom. Der Papst gab ihm gerne die Erlaubniß zur
Verkündigung des göttlichen Wortes bei den Ungläubigen, »nd weihte
ihn zum Bischöfe, jedoch nicht für eine bestimmte Kirche.
Von Rom setzte der heilige Bonifazius seine Reise fort nach
Norden, zu Pferde zwar, aber so wenig geschützt gegen die Kalte,
daß mehrmals seine Füße mit den Steigbügeln zusammenfrorcn, und
mittelst kalten Wassers von diesen losgemacht werden mußten. Die
innere Glut seines heiligen Eifers machte ihn gleichsam unempfind-
lich für alle Beschwerden und Leiden des Körpers. Er kam nach
Rußland. In welchen Provinzen dieses großen Reiches er sein
Apostelamt ausgeübt habe, läßt sich mit Gewißheit nicht bestimmen.
Der Umstand, daß die Abgötterer, bei denen er predigte, genaue
Kenntnisse hatten von dem Martertodc, den der heilige Adelbert, Bi-
schof von Prag, in Preußen erduldete, und von dessen gesegneten
Folgen, macht es wahrscheinlich, daß er in einer dem preußischen
Reiche nahe gelegenen Provinz, etwa in Samogiticn oder Liesiand
das Evangelium verkündiget habe.
Die Bewohner des eigentlichen Rußlands waren bald nach dem
Jahre 989, während der Regierung der griechischen Kaiser Basi-
lius und Constantinus, allgemein und össcntlich zur christlichen Re-
ligion nach dem Ritus der griechischen Kirche übergegangen, nach-
dem nämlich Waladomir, der natürliche Sohn des Suenteslaus alle
Provinzen, die sein Vater beherrscht hatte, unter seine Regierung
gebracht, und die griechische Prinzessin Anna gehcurathet hatte.
Bonifazius verkündigte das Evangelium den Heiden, mit einem
Eifer, den nur die innigste Liebe zu Jesus Christus, und das heiße
Verlangen nach der Marterkrone, entstammen konnte. Er fand sehr
heftigen Widerstand, und sein Leben wurde von den Abgötterern nur
deßwegen geschont, weil sie besorgten, daß nach seinem Tode, wie
nach dem Tode des heiligen Adelbert viele und große Wunder ge-
schehen, und dadurch bei ihnen, wie bei den Preußen viele und große
Bekehrungen erfolgen möchten. Er kam auch zu dem Fürsten des
Landes, den Einige Busianus nennen. Als ihn der Fürst in sehr
schlechtem Gewände, ja sogar ohne Fußbedeckung erblickte, kam er
auf die Vermuthung, daß es ihm nicht so fast um die Verbreitung
seiner Lehre, als vielmehr um Gelderwerb zu thun sey. Er bot
ihm daher große Reichthümer an, wenn er seiner Thorheit — so
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen