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Z42 Der heilige Bonifaznio, Biscbof, Maubensprediger :r.
nannte der Ungläubige das göttliche Wort vom Kreuz? — entsagen
wollte. Den Fürsten von seinem Irrwahne zu überzeugen, ging
Bonifazius weg, kam aber bal)) wieder zurück, a»get!,an mit einem
köstlichen Priestergewande. Der Fürst erstaunte über diesen ?lnblick,
und sprach: „Nun glauben wir, das, nicht Armut!,, sondern Narr-
heit zur Verkündigung der thörichten Lehre dich verleite. Es sollen
zwei große Scheiterhaufen so nahe nebeneinander errichtet werden,
daß deren Flamme, wenn sie angezündet sind, zusammenschlägt.
Gehst du zwischen denselben, wenn sie im höchsten Brande stehen,
ohne Verletzung hindurch, so wollen wir Alle an deinen Gott glau-
ben , wirst du aber verletzt, so sollst du ohne Schonung in das
Feucr geworfen und verbrannt werden/- Die zahlreich anwesenden
Heiden stimmten diesem Antrage des Königs bei; und auch Bonifa-
zius zeigte sich bereit zu dieser Probe, in Demuth vertrauend auf
den Schlitz des Sohnes Gottes. Die Scheiterhaufen wurden errich-
tet und angezündet. Bonifazius im priesteiliche» Gewände, als
wollte er das hochheilige Opfer entrichten, segnete das Feuer durch
Gebeth, besprengte es mit Weihwasser, bcräuckerte es mit dem gc:
weihten Rauche, und ging dann zwischen den beiden Holzstößen, die
in eincr Flamme fürchterlich emporloderten, heitern Angesichtes und
langsamen Schrittes unbeschädigt hindurch. Nicht einmal ein Haar
feines Hauptes ward versengt. Der König und die übrigen Anwe-
senden warfen sich in staunender Ehrfurcht dem Diener Gottes zu
Füßen, baten unter Thränen ihn um Vergebung, und um die hei:
ligc Taufe.
Die Zahl d?rcr, welche die heilige Taufe verlangten, wuchs
bald so sehr an, daß Bonifazius sich genöthigt sah, zu einem See
sich hinzuziehen. Der Fürst faßte den Entschluß, den Herrschcrstab
niederzulegen, und beständig bei Bonifaziuß zu bleiben. Bonifazius
setzte die Verkündigung des Evangeliums fort, und kam in dieser
Absicht auch zu einem Bruder des Fürsten. Allein dieser verschmähte
nicht allein das göttliche Wort, sondern ließ n> der Erbitterung, in
welche die Bekehrung seines Bruders, des Fürsten, ihn versetzt hatte,
den Diener Gottes ergreifen, und ihm auf der Stelle den Kopf, in
Gegenwart vieler Ungläubigen abschlagen. Sogleich wurde er von
Gottes strafender Gerechtigkeit mit Blindheit geschlagen, worauf er,
sowie alle Andern, wie versteinert und sinnlos auf dem Platze da
standen. Dem Fürsten wurde die Ermordung des Bonifazius als-
bald angezeigt. In der ersten Aufwallung des Unwillens beschloß
cr, den Bruder und Alle, welche an dem Morde Theil genommen
hatten, zu todten. Er eilte hin zu der Leiche. Gott lenkte sein
Herz zu milderer Gesinnung. Er bethete mit den Gläubigen, die
ihn begleitet hatten, für die Mörder des heiligen Mannes. Der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen