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348 Der heilige Stephanus, und der heilige Emeritus.
sey, die bischöflichen Stühle nur mit den würdigsten Männern zu
besetzen.
Der heilige Stephan hatte vielfältige körperliche Leiden, zumal
in seinen letzten Lebensjahren, zu erdulden. Endlich wurde er von
einer Lcibesschwächc befallen, die es ihm unmöglich machte, auch
nur auf seinen Füßen zu stehen. Er kannte dcßhalb nicht mehr mit
dem Nachdrucke, wie zuvor, die Regierungsgcschafte besorgen. Da:
von nahmen vier Männer, von den Vornedmstcn des Reiches, An-
laß , eine Verschwörung gegen sein Leben auszuführen, in der Ab-
sicht, die Regierung des Landes an sich zu reißen, und das Heiden:
thum wieder zurückzuführen. Einer derselben schlich in der Abend-
dämmerung in den Palast, und schlich siä) bis zmn Memacke, in
dem der König lag. Er hatte unter seinem Gewände einen Dolch ver-
borgen, mit dem er dem wehrlosen Kranken den Todesstoß versetzen
wollte. Unversehens aber entfiel ihm der Dolch, und machte ein
Geräusch. Der König hotte es, und fragte um die Ursache. Der
Schuldige bekannte sein frevelndes Beginnen, warf sich vor dem
Könige auf die Erde, und bat flehentlich um Verzeihung, die dieser
ihm gewährte. Die andern Verschwornen empfingen den gebühren:
den Lohn für ihre schwarze That. Die Schwäche des Königs nahm
mit jedem Tage zu. Endlich gesellte sich derselben ein Fieber bei,
welches den nahen Tod ankündigte. Er wünschte am nahen Fest-
tage der Himmelfahrt Maria zu sterben, und flehte daher zu Gott
um diese Gnade. Seine Bitte ward erhört; er verschied unter den
Gebethen der anwesenden Bischöfe und Priester, am 15. August des
Jahres 1038.
Die größte Trauer verbreitete sich über das ganze Land. Un-
zählige Menschen strömten herbei, die letzte Ehre zu beweisen dem
hochverehrten Könige, dessen Leiche nach Stuhlwcißenburg gebracht,
und dort in der von ihm erbauten Muttergotteskirche mit großer
Feierlichkeit begraben wurde. Sowohl bei dem Grabe des heiligen
Stephanus, als dessen Sohnes, des heiligen Emeritus, fand das
Gebeth des Glaubens wunderbare Erhörung. Die kirchliche Ge-
dächtnißfeicr des heiligen Stephanus wurde bei seiner Heiligsprechung
auf den 20. August, im Jahre 1686 aber von dem Papste Inno:
cenz X I . auf den 2. September gesetzt. Sie wM vorzüglich in
Ungarn sehr feierlich begangen.
Die Gedächtniß des heiligen Emeritus wird am 5. Novcmber
gefeiert.
„Barmherzigkeit und Wahrheit schützen den König. Durch die
Güte wird sein Thron befestiget." (Sprichw. Sal. 20, 28.) Der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen