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Am !9. Februar. 357
Vorschlag des Kaisers sehr bestürzt, weigerte sich mit großem Nach-
drucke, dem so erhabenen Amte sich zu unterziehen, verlangte nur
drei Tage Bedenkzeit, die er unter häufigen Thränen mit Gebeth
und Fasten zubrachte; bekannte dann öffentlich alle begangenen Feh:
ler, um seine Unwürdigkeit darzustellen; als aber auch dieses frucht:
los blieb, und er dem dringenden Verlangen länger nicht mehr wi:
derstehen konnte, gab er endlich seine Einwilligung, jedoch mit der
Bedingung, daß die Priestcrschaft und das Volk zu Rom seiner Er-
höhung beistimme. In dem Gewände eines Pilgers reiste er nach
Rom. Der Ruf seiner ausgezeichneten Verdienste war ihm schon
vorangegangen, weßwegcn die kaiserliche Ernennung von der römi:
schen Geistlichkeit und von dem Volke mit allgemeinem Beifalle be-
stätiget wurde. Er nahm den Namen Leo an, und wurde am
12. Februar des Jahres 1049 mit größter Feierlichkeit auf den
heiligen Stuhl eingesetzt. Wenige Wochen nach seiner Erhebung
auf den päpstlichen Stuhl hielt er in Rom eine Kirchcnversammlung,
bei welcher auch französische und deutsche Bischöfe zugegen waren.
Er reiste nach Deutschland, wo er mit dem Kaiser Heinrich das
Fest der Apostel Pctri und Pauli zu Köln feierte. Eine Kirchenver-
sammlung, die er zu Toul halten wollte, wurde von Bischöfen und
andern Vornehmen vereitelt. Von Toul begab sich der Papst nach
Rhcims in Frankreich, weihte da am 2. Oktober die Kirche des
heiligen Nemigius ein., und hielt Tags darauf eine Kirchenver-
sammlung.
Im Anfange des Jahres 1050 kehrte Leo nach Rom wieder
zurück. Sein apostolischer Eifer ließ ihn aber nicht lange da ver-
weilen. Bevor der Winter vorüber war, unternahm er eine Reisc
an die Gränzen von Apulien, und stellte zwischen den Bewohnern
dieser Landschaft und den Normä'nncrn den Frieden her, verfügte sich
dann auf den Berg Gorgano, und kam endlich auch auf den Berg
Cassino, da seine Andacht zu verrichten. Zu Ostern war er wieder
in Rom, und hielt bald nach den Festtagen eine Kirchenversamm-
lung, in welcher Bercngars, eines Kanonikers der Kirche von Tours,
falsche Lehre von dem heiligen Altarssakramente verdammt, und Bc-
rengar selbst mit dem Kirchenbanne belegt wurde. Dieser Versamm-
lung, die in der Kirche des heiligen Johannes im Lateran gehalten
wurde, wohnten sieben Erzdischöfe, sieben und vierzig Bischöfe, und
fünf und dreißig Aebte bei. In derselben wurde der selige Gerhard,
Bischof von Toul, in die Zahl der Heiligen erklärt. Berengar un-
terwarf sich nicht dem Urtheile der heiligen Kirche. Es wurde deß-
halb am 1. September des nämlichen Jahres ein Concilium in
Vercelli gehalten, und der stolze Irrlehrer zu demselben berufen,
damit er persönlich sich verantworte. Er erschien aber nicht. Dic
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen