Seite - (000373) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000373) -
Text der Seite - (000373) -
Der heilige Stanislaus, Bischof und Märtyrer
Der heilige Staniölaus wurde gebore» zu Sccpanow
sieben Meilen von Krakau, in Pole», entlegenen Dorfe, am 26. Juli
l030. Sein Vater Wielislaus und seine Mutter Bogna wäre»
ausgezeichnet durch ihre vornehme Herkunft, und noch vielmehr dlnä,
den Glanz ihrer Gottesfurcht und ihrer Tugenden. An ihnen haft
tcn die Armen eine sichere Zuflucht, die Wittwen und die Waise»
eine feste Stütze, und alle ihre Mitmenschen ein erbauliches Vorbild
seltener Gottseligkeit. Ihnen verdankte das Dorf Scepanow eine
schöne Kirche, welche aus den Namen der heiligen Maria Magdalena
eingeweiht wurde. Da entstammten sie täglich in brünstiger Andach,
ihren Glauben und ihre Liebe. Dreißig Jahre hatten sie in un-
fruchtbarer Ehe gelebt, als Gott ihr vertrauensvolles Flehen erhörte,
und sie mit einem Sohne beschenkte, dem sie den Namen Stanislaus
gaben. Was sie Gott fortwährend schon gelobt hatten, das erfüll:
tcn sie, indem sie ihr Kind dem Dienste Gottes bestimmten, und es
von Kindheit an nach des Herrn Gesetze erzogen. Ihr frommes
Bemühen ward durch den herrlichsten Erfolg gekrönt. Der kleine
Stanislaus, den Gott mit seltenen Gaben des Verstandes und des
Herzens begnadiget hatte, wuchs heran zum liebenswürdigsten Kna
ben, der durch seine zarte Gottesfurcht, durch seine kindliche Frönn
migkeit, durch seine Liebe gegen die Aeltern, durch seine Lernbegierde,
und durch sein sanftes Betragen gegen Jedermann allgemeine Be-
wunderung erregte. Frühe übte er strenge körperliche Abtödtunq.
Oft verließ er sein weiches Bett, und legte sich auf den harten Bo
den; oft entsagte er der ihm erlaubten Ergötzlichkeit, und widmete
in stiller Einsamkeit sich dem Gebethe, oft entzog er sich seine
Speise, und theilte sie den Armen mit.
Als er das erforderliche Altcr erreicht hatte, schickten ihn seine
Acltcrn zur Erlernung der Wissenschaften nach Gnesen. Auf 0c>
Reise dahin ward er von Soldaten durch Schlage schwer mißban
delt, weil er in ein für sie bestimmtes Bad hineinging, nicht ah:
ncnd, daß dieses ihm zum Fehler gerechnet werde. Ohne Gegenrede
ertrug er die Mißhandlung, ging dann auf das Feld hinaus, kniete
hin auf einen Stein, und bethete für seine unmenschlichen Pciniger.
Fcrne von jeder jugendlichen Ausschweifung machte er in Gncsen
schöne Fortschritte in den Wissenschaften und in der Veredlung fei-
nes Herzens. Nach einigen Jahren begab er sich, mit der Einwil:
ligung seiner Aeltern, nach Paris, wo er sich den geistlichen Wissen:
schaften mit so glänzendem Erfolge widmete, daß seine Lehrer und
24*
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen