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Am 7. Mai. 373
er dieser Wahl, stellte vor, daß er des heiligen Amtes nicht würdig,
und dazu auch nicht fähig sty; flehte unaufhörlich, und unter vielen
Thränen, daß das Heiligthum einem Bessern anvertraut, und dic
schwere Bürde auf kräftigere Schultern gelegt werde. Nur das am
haltende und nachdrückliche Zureden der weisesten und besten Män-
ner, vermochten ihn endlich, seine Einstimmung zu geben, die heili-
gen Weihen zu empfangen, und den bischöflichen Stuhl von Krakan
in Besitz zu nehmen. Der neue Bischof stellte sich in Allem dar
als ein wahrer Apostel des Herrn, und als ein getreuer Verwalter
der Geheimnisse Gottes. Er setzte fort die strenge Selbstverläug-
nung und die Uebungen körperlicher Abtödtung. Beständig trug er
jetzt unter seinem bischöflichen Kleide ein rauhes Bußgewand, ver-
doppelte das Gebeth und dic geistliche Betrachtung, denen er viele
Stunden der Nacht widmete, und den Eifer für das Heil der, sei-
ner Sorge anvertrauten, unsterblichen Seelen. Auf den Leuchter
gestellt, leuchtete er auch wirklich weit umher als ein Licht lebend»,
gen Glaubens und hoher Tugend. Von den reichen bischöflichen
Einkünften verbrauchte er für seine Person nur so viel, als die drin-
gendsten Bedürfnisse erforderten. Alles Uebrige verwendete er auf
Arme, auf Wittwen und Waisen, und auf dürftige Kirchen seines
bischöflichen Sprengels. Mit der leiblichen Gabe verband er immer
auch die geistliche Belehrung, Ermahnung, Warnung und Trost.
Um diese Zeit wurde Polen von dem Könige Boleslaus I I .
beherrscht, einem in mancher Hinsicht ausgezeichneten Regenten, der
aber ehrsüchtig, gewaltthätig, und im hohen Grade wollüstig war.
Das Kriegsglück machte ihn übermüthig; im Uebcrmuthe vergaß er
Gott; er überließ sich der Schwelgerei, die immer auch die unlautere
Lust im Gefolge hat. Er war vcrchlicht, verletzte aber die eheliche
Treue auf die zügelloseste Weise. Aufangs suchte er seine Aus-
schweifungen zu verheimlichen, weil noch Schamgefühl ihm beiwohnte;
nach und nach verlor sich aber dieses je mehr und mehr, und er
ward endlich ganz unbesorgt um das öffentliche Aergerniß, das mit
jedem Tage größer wurde. Dic Besorgnisse für den König, so wie
die Unzufriedenheit über dessen Lebensweise wurden allgemein. Aber
Niemand wollte es wagen, ihm deßhalb Vorstellung zu thun, weil
Jedermann dic Folgen seiner Erbitterung befürchtete. Selbst dic
Geistlichen, die am Hofe oder in der Nähe desselben lebten, ja
selbst der Erzbischof von Gnesen, der Primas des Reiches, ließen
ihre Zunge sich lahmen von Mcuschenfurcht. Da verfügte sich Sta-
nislaus, beseelt vom heiligen Eifer, der ihn furchtlos vor aller
Menschengewalt machte, zu dem Könige, und stellte unter vier Au-
gen mit evangelischer Freimüthigkeit, ohne jedoch die schuldige Ehr:
crbicthung zu verletzen, ihm vor, wie sehr er durch seine ausschwei-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen