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Am 19. Januar. 375
Dieners Gottes, dessen Angesicht wie mit himmlischer Klarheit leuch-
tete. Sie getrauten sich nicht, den Todcsstrcich zu führen. Als
Boleslaus es vernahm, drängte er, wie ein Rasender, mit entblöß-
tem Schwerte sich in die Kirche und zum Altare hin, und tödtete
mit einem Streiche den heiligen Bischof am 8. Mai des Jahres
1079, als derselbe erst 49 Jahre alt war.
Selbst gegen die Leiche des Heiligen setzte Boleslaus seine un:
menschliche Wuth noch fort. Mit eigener Hand trennte er die Nase,
die Wangen und die Lippen von dem Haupte des Entseelten, warf
sie vor die zagenden Soldaten hin, und befahl dann, den Leib weg-
zunehmen, ihn vollends zu zerstümmcln, und zum Fraß der Thiere
hinzuwerfen. Durch sonderbare Fügung Gottes wurden aber alle
Theile erhalten, gesammelt, und in der vorerwähnten Kirche des
heiligen Michael beerdiget.
Boleslaus vollendete sein Leben im Wahnsinne, und seine Leiche
wurde von seinen eigenen Hunden verzehrt. Wie tief sinkt der
Mensch, wie elend macht er sich, und wie unglücklich Andere, wenn
er von unreiner Lust sich beherrschen läßt! Wollten doch alle Wol-
lüstlinge des Königs Boleslaus schreckliches Ende sich zum ab-
schreckenden Vorbilde seyn lassen!
Der heilige Canutus, König und Märtyrer.
(Am 19. Januar,)
Lanut, mit dem Beinamen der Große, der sich, wie in der
Lebensgeschichte des heil. Eduard erzählt wurde, England unterwarf,
hatte eine Schwester, Estrid mit Namen, und diese einen Sohn, der
Suenon hieß, und dem Magnus, einem Sohne des heil. Olavus
auf dem Throne folgte. Suenon hatte mehrere Söhne, unter denen
sich der heilige Canut, wie einst Joseph unter seinen Brüdern, durch
frühe Weisheit und Gottesfurcht auszeichnete, aber eben deßhalb
auch, wie Joseph, von den Brüdern angefeindet wurde. Im Jahre
1076 folgte er seinem Bruder Harald in der Regierung des däni-
schen Reiches, welches er durch sechs Jahre zum großen Segen sei-
ner Unterthanen beherrschte. Seine wahrhaft christliche Gesinnung
bewies er durch «»geheuchelte Frömmigkeit, durch vollkommenen Wan-
del, durch thätigen Eifer für die Erhaltung und Bekräftigung des
heiligen Glaubens, und insbesondere durch Bcschützung und Erleich-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen