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Am 5. Jul i . 379
menhcit angeregt, die Welt verließen, und in das Kloster aufgenom-
men wurden. Sic empfingen das Ordensklcid, aber nicht die geist-
lichen Weihen. Dcr Abt schrieb ihnen eine bestimmte Lebensweise
vor, und neben den Uebungen dcr Gottseligkeit mußten sie alle Ar-
beiten im Innern dcs Klosters verrichten. Alle Handwerke, deren Er-
zeugnisse das Kloster bedürfte, wurden von ihnen getrieben. Die
Oblaten hatten auch dcr Welt entsagt, lebten in den äußern Klostcr-
gebauden nach bestimmter Vorschrift, behielten aber das weltliche
Kleid, und verrichteten die Arbcitcn außer dem Kloster. Die Eon-
versen sowohl als die Oblaten erstrebten unter des frommen Wil-
helms weiser Leitung einen hohen Grad der Vollkommenheit, durch
welche sie auch den Weltlcutcn zur segcnsvollstcn Erbauung wurden.
Viele von diesen wurden dadurch entstammt, in ihrem Stande nach
gleicher Vollkommenheit zu ringen. Ungeachtet dcs großen Ruhmes,
in dem Wilhelm stand, und dcr vielen Ehrenbezeugungen, die ihm
allenthalben bewiesen wurden, bewahrte er das Gefühl tiefer De-
muth in sich. In der Gesellschaft seiner Brüder betrug er sich als
der letzte unter ihnen, und als der Diener Aller. Nie ließ er sein
größeres Ansehen offenbar werden, wenn nicht höhere Pflicht es
nöthig machte, und auch da geschah es immer mit großer Beschei-
denheit, und mit seltener Schonung der Einzelnen. Am Tische, im
Gewände, in seiner ganzen Lebensweise verschmähte er alle Pracht,
die mit dem Geiste klösterlicher Armuth nicht vereinbar ist.
Im Jahre 1081 fing Wilhelm den Bau eines größcrn Klo-
sters zu Hicschau an, welcher nach neun Jahren vollendet wurde.
Im Jahre 1091 wurde die Kirche desselben feierlich eingeweiht.
Vor und nach dieser Feierlichkeit theilte er schr reichliche Gaben an
die Armen aus. Wenige Wochen darauf wurde er von einer gro-
ßen Leibcsschwächc befalle». Als cr kaum mchr gehen konnte, be-
suchte er doch noch den Chor, und entrichtete das hochheilige Opfer.
Zum letzten Male, als cr vom Bette selbst nicht mehr aufstehen
konnte, ließ cr sich in die Kirche führen, wo cr, am Altare unter-
stützt von zwei Dienern, mit dem Opfer des göttlichen Lammes,
Gott auch das Opfer seines Lebens darbrachte. Vier Tage hernach
berief er seine Mönche zu sich, gab ihnen die letzten vaterlichen Er-
mahnungen, und einem jeden aus ihnen den Abschiedskuß. Die
Entkräftung nahm zu. Er empfing mit großer Inbrunst die Sa-
kramente der Sterbenden, und verschied bald darauf, umgeben von
seinen bethenden Brüdern, am 4. Juli 1091.
Sein Leichnam wurde in Mitte dcr neuen Klosterkirche begraben.
,.)Wir Christcn sollen auf Erde keineswegs freudenlos leben,
keineswegs aus übclvcrstandencr Frömmigkeit uns jeder Lebensfreude
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen