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Am 27. Juni. 35,".
Krone verlustig, Geisa um das Jahr 1074 auf den ungarischen
Thron gesetzt, und Ladislaus zum Herzoge des Reiches ernannt.
Nach drei Jahren schon starb Geisa. Salomon harrete an der
Gränze des Reiches, und wendete Vorstellungen und Bitten an, die
Vornehmsten des Landes zu bewegen, daß sie ihn zum Throne wie-
der berufen. Allein wer immer die Wohlfahrt des Reiches zu Her-
zen nahm, warf sein Auge auf Ladislaus, dessen ausgezeichnete Vor-
züge allgemein anerkannt und bewundert wurden. Allenthalben hörte
man von Hohen und von Niedern dessen Frömmigkeit und Gottes-
furcht, dessen liebevolles Herz und reinen Wandel, dessen Gerechtig-
keitsliebe und Großmuth, dessen Klugheit und Tapferkeit, dessen be-
scheidenen Sinn, in dem er von allem Streben ^ach Ehren und
Reichthümern weit entfernt war, und dessen einnehmende Wohlge-
stalt des Körpers rühmen. Allenthalben erzählte man sich die gro-
ßm Verdienste, die er um das Reich sich erworben hatte. Am
Wahltage strömten unzählige Menschen auch aus dem niedersten
Stande herbei, und priesen laut die Wohlthaten und den Schutz,
die sie von ihm erhalten hatten. Die Stimmen Aller vereinigten
sich für Ladislaus, der im Jahre 1077 zu Ungarns König ausge-
rufen wurde. Bei dem allgemeinen Jubel war dieser allein beküm-
mert, weil ihn Salomons Zurücksetzung schmerzte. Er übernahm
zwar die Regierung des Landes, verweigerte aber die feierliche Krö-
nung, weil er vorerst eine freundschaftliche Ausgleichung mit ihm zu
Stande bringen wollte.
Ladislaus erreichte seinen edlen Zweck nicht. Salomon befand
sich in der Stadt Preßbnrg, die damals zum römischen Reich ge-
hörte, und beunruhigte fortwährend das ungarische Reich. Nach
vier Jahren kam zwar eine Ausgleichung zu Stande; sie war aber
von Seite Salomons nur scheinbar; denn bald hernach suchte er.
eine Zusammenkunft mit Ladislaus, unter dem Vorwande, persönlich
mit ihm ein Freundschaftsband zu knüpfen, in der That aber sich
seiner zu bemächtigen. Ladislaus erfuhr den argen Anschlag, traf
die gehörigen Vorkehrungen, und "jener fiel in die Grube, die er
diesem gegraben hatte. Er wurde ergriffen und gefangen gesetzt,
wobei Ladislaus keine andere Absicht hatte, als den stolzen Ueber-
muth Salomons zu zähmen. Er ließ ihn gut und ehrenvoll behan-
deln, sichte oft zu Gott, daß er ihn zu besserer Gesinnung führte,
und äußerte die Bereitwilligkeit, die Regierung ihm, wenn er gebes-
sert seyn würde, abzutreten, und mit seinem frühern Hcrzogthume
sich zu genügen. Allein dazu hatte er die Einstimmung der Nation
nicht erlangt, weil sie nicht ihren hochverehrten König verlieren, und
statt dessen den grausamen und herrschsüchtigen Salcmon auf dem
Throne sehen wollte.
Zweiter B«nd. 25
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen