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386 Der heilige Ladislaus, König von Ungarn.
Ladislaus hegtc große Verehrung für seinen Ahnherrn, den
König Stephan, der vor fünf und fünfzig Jahren im allgemeinen
Nusc der Heiligkeit gestorben war. Im Einverständnisse mit den
Bischöfen, und mit den Vornehmsten des Reiches, faßte er den from:
men Entschluß, dessen Leichnam feierlich zu erheben, auf daß er der
öffentlichen Verehrung ausgesetzt wevde. Nacli dreitägig», Gebethe
und Fasten, welche im gangen Vande angeordnet N'aren, »vurde zu
dem gottseligen Werke geschritten. Als man aber den Stein, der
das Grab deckte, nicht von der Stelle zu bringen vermochte, w,urde
auf Anrathen einer frommen, Gott geweihten Jungfrau Salomon
seiner Gefangenschaft entlassen, und mit Ladislaus versöhnt. Sofort
konnte das anc^'angene Werk ohne Hinderniß vollendet werden.
Salomon 'legte auch dießmal seine feindselige Gesinnung nicht
ab, obgleich ihm von Ladislaus vertrauensvolle Liebe bewiesen wurde.
Er hielt sich nur wenige Tage am Hofe auf, entfernte sich, und
suchte bei allen benachbart» Fm-sten Unterstützung zur Eroberung
des ungarischen Reiches. Als sie i!,m ader überall verweigert wurde,
wandte er sich zu den Tartaren, und bewog den Fürsten derselben
durch die Verheißung, ilnn nach Eroberung des Reiches Siebenbür-
gen zu überlassen, in Ungarn mit einem großen Kriegshcere einzu-
fallen. Vertrauend auf Gott, rückte Ladislaus den Feinden entge-
gen, brachte ihnen eine große Niederlage bei, und schlug sie in die
Flucht. Durch diesen Unfall öffnete Gott dem Salomon die Augen.
Er ging in sich, entsagte ganzlich der Welt, übte strenge Buße, und
beschloß sein Leben als Einsiedler bei Pola in Istrien, wo er als
Heiliger verehrt wird. Den größten Theil der ungeheuern Beute,
die Ladislaus den besiegten Tartaren abgenommen hatte, widmete
er aus Dankbarkeit für den erkämpften Sieg, dem Bedürfnisse und
dem Glänze der Kirchen, und ^>n Werken der Liebe. Das Gleiche
that er, als er bald darauf einen zweiten und dritten glänzenden
Sieg über die Tartaren erfochten hatte.
Die Schwester des heiligen Ladislaus war mit Zelomir, dem
Könige von Dalmatien, vermählt. Zelomir starb ohne Erben, und
die Königin wurde von Herrschsuchtigen hart geängstigt. Ladislaus
kam ihr zu Hilfe, schlug die Feinde, und vereinigte, weil die kin-
derlose Wittwe die Herrschaft nicht behalten wollte, Dalmatien und
Kroatien mit dem ungarischen deiche. Nachdem Ladislaus seinem
Reiche dauerhafte Ruhe verschafft hatte, wandte er seine Aufmerk-
samkeit, und alle seine Kräfte auf die Beförderung der heiligen Re-
ligion, so wie auch auf die äußere Wohlfahrt seiner Unterthanen,
die alle als ihren guten Vater ihn verehrten, weil er alle seine Kin-
der liebte. Er verfaßte neue Gesetze, die den Zeitumständen und
den Sitten seines Volkes angemessen waren, und die er mit Zurath-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen