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Am 1«. Juni. 393
St. Michael, einen Mann von großer Wissenschaft und erprobter
Frömmigkeit. Frühe' wurde Bcnno zu den Wissenschaften angchal:
ten, in denen er durch Fleiß und Fortgang sich auszeichnete. Noch
größer war aber seine Auszeichnung in der Frömmigkeit und in der
Tugend, wcßwegcn der Bischof Bernard ihn zärtlich liebte, und
gern bei sich hatte. Bernard mußte seine fünf letzten Lebensjahre
im Bette zubringen, und vieles leiden von einem Fieber, von wel:
(I,nn der Tod ihn endlich befreite. Wahrend dieser Leidcnszcit war
ihm der junge Benno der liebste Gesellschafter, der ihn durch seine
kindliche Zuneigung erfreute, ihm durch Lesen und andere wissen:
schaftliche Uebungen angenehme Unterhaltung verschaffte, und die
Lehren der Weisheit, die am lautersten aus dem Munde des from:
men Leidenden kommen, mit offenem Gemüthe aufnahm.
Der kranke Greis fand Erheiterung in dem unschuldigen Froh:
sinne des Knaben, und dieser kräftige Erbauung in dem gottseligen
Sinne des standhaften Dulders. Kurze Zeit vor seinem Tode nahm
der Bischof, in Gegenwart des Abtes Wiger, den zärtlichsten Ab:
schied von Benno mit der väterlichen Ermahnung, daß er sich nicht
von dem Verderben der Welt ergreife» lasse; sondern fortwährend
auf dem Wege der Tugend wandle, und Gott allein anhange. Er
stellte ihm vor die fürchterlichen Qualen, welche die Gottlosen zu
gcwarten haben, da selbst die bessern Menschen durch langwierige
und schmerzliche Leiden geläutert werden müßten. Er trug ihm auf,
von seinem weisen und frommen Führer sich nicht zu trennen, wie
seinen Vater ihn zu ehren, und ihm in Allem willig zu folgen.
Endlich küßte er ihn und übergab ihn dem Wigcr, dessen väterlicher
Obsorge er ihn mit flehentlichen Bitten empfahl.
Der tiefe Schmerz, in welchen Benno durch Bernards Tod,
der im Jahre 1022 erfolgte, versetzt wurde, konnte nur durch die
Zeit, und durch die Tröstungen des weisen Abtes gelindert werden.
Der dankbare Bcnno setzte in der Folge eine schöne Grabschrift auf
die Ruhestätte seines unvergeßlichen bischöflichen Wohlthäters, und
faßte den Entschluß, allen irdischen Bestrebungen und Hoffnungen
zu entsagen, und in klösterlicher Einsamkeit Gott zu dienen. Nach-
dem er in der vortrefflichen Klosterschule zu Hildesheim, unter der
beständigen Leitung des frommen Wigcrs, dem er mit kindlicher
Liebe anhing, eine ausgezeichnete Bildung sowohl des Verstandes
als des Gemüthes erhalten, und die reifern Iünglingsjahre erreicht
hatte, führte er mit Bcistimmung seiner gottcsfürchtigcn Mutter (sein
Vater war früher gestorben) den gefaßten Entschluß wirklich aus.
Er war achtzehn Jahre alt, als er im Kloster St. Michael zu Hil-
desheim das Ordenskleid empfing, und die heiligen Gelübde ablegte.
Mit glühendem Eiser widmete er sich jetzt den geistlichen Wissen-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen