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398 Der heilige Anselmus, Erzbischof zu Cantcrbun.
auch Unterricht in den Wissenschaften. Die guce Mutter theilte
ihm ihre fromme Gesinnung mit, und bewachte mit großer Sorg:
fall die Unschuld seines Wandels. C'r war noch n,cht fünfzehn
Jahre alt, als er mit sich selbst ;u Rall,e ging, wie er eine höhere
Vollkommenheit erstreben könne. Da kam er auf den Gedanken,
daß er dieses Ziel im Mönchsstandc am sichersten erreichen werde.
Er ging deßhalb zn einem Abte, der ,hm belannt war, und bat ihn
um die Aufnahme in's Kloster. Der Abt gewährte sie ihm aber
nicht, weil die Einwilligung des Vaters mangelte, den er nicht zur
Erbitterung gegen sich und sein Kloster reiben wollte. Bald darauf
ward Anselm von einem töotlichen Fieber befallen, während dessen
Dauer er mehrmal das Verlangen nach dem Ordensgwande äußerte.
Nachdem er genesen war, schien er jedoch auf ganz andere Gedan-
ken gekommen zu seyn, weil er weltlichen Sinn offenbarte, in dem
Eifer zum Guten und auch zu seinen Studien erkaltete, und den
Ergötzlichkeiten vielfältig sich überließ. Von größeren Ausschweifung
gen hielt ihn die fromme Mutter zurück, die er zärtlich liebte.
Diese starb aber bald hernach, und er würde nur zu gewiß in sein
wirkliches Verderben gerathen seyn, wenn nicht ein ihm ganz uner-
wartetes Ereigniß eingetreten wäre. Sein Vater zeigte auf einmal
gegen ihn eine Abneigung, die bald so groß wurde, daß er seinen
Sohn gar nicht mehr ertragen konnte. Anselm that Alles, den Va-
ter zu besänftigen, machte aber mit Allem den Widerwillen desselben
noch größer. Nun verließ er, um nicht feinen Vater und sich selbst,
wenn der Zwiespalt offenbar würde, der öffentlichen Schande H. eis
zu geben, seine Heimath, begab sich nach Frankreich und Burgund,
wo er drei Jahre sich aufhielt, und kam endlich in das Kloster Bcc
in der Normandie, wo er ein Schüler des berühmten Lanfrank, und
bald darauf dessen vertrauter Freund wurde. Mit unglaublicher An-
strengung widmete er sich da seiner eigenen Vervollkommnung, den
Wissenschaften und auch dem Unterrichte Anderer, nicht achtend die
Nachtwachen, den Hunger und die Kälte, die er vielfältig dabei er-
tragen mußte. Endlich fiel ihm ein, daß er in einem Kloster kei-
nen schwerern Abtödtungcn sich unterwerfen müßte, die, wenn sie
aus frommer Absicht, und nicht aus bloß irdischen Bestrebungen ge-
übt würden, nicht ohne Vergeltung blieben. So erneute sich in sei-
nem Gemüthe wieder der Entschluß, dem Mönchsstande sich zu wid:
men. Er überlegte nun die Sache sehr ernstlich, trug sie Gott in
seinem Gebethe vor, und berathschlagte sich mit seinem hochverehrten
Lehrer Lanfrank, der ihn zu dem Maurilius, dem Erzbischofe von
Rouen, fährte, damit er auch die Meinung dieses weisen und from-
men Mannes höre. Der Erzbischof entschied für den Ordensstand.
Anselm bat den Abt Helluin um die Aufnahme in's Kloster Vec,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen