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Am 2 l . April. 399
die ihm auch gerne zugestanden wurde. Dieses geschah im Jahre
1060, als er sieben und zwanzig Jahre alt war. Nach drei Iah:
ren schon wurde er zum Prior des Klosters ernannt, an die Stelle
des Lanfrank, der Abt im Kloster zu St. Michael wurde. Mehrere
von den ältern Mönchen beneideten dcn neuen Prior, und beklagten
sich, daß er ihnen vorgezogen worden sey. Bald aber wurden sie
durch seine Liebe, durch seine Demuth, und durch seine Klugheit
nicht nur vollkommen beruhiget, sondern zu seinen aufrichtigen Freun-
den und Verehrern gemacht. Ein junger Mönch, Osbernus mit
Namen, zeigte auf mancherlei Weise den Haß, den er gegen Ansem,
hatte. Der fromme Prior setzte ihm Geduld, Sanftmuth und Scho-
nung entgegen, gewann ihn, und führte ihn zu einem hohen Grade
der Vollkommenheit. Osbernus starb in der Blühte seiner Jahre
in den Armen Anselms, den er jetzt als den Retter seiner Seele
gränzenlos verehrte.
Im Kloster widmete sich der heilige Anstlm, wie zuvor, mit
dem angestrengteste!» Fleiße den Wissenschaften, forschte Tag und
Nacht in den göttlichen Schriften, verschaffte sich immer hellere Er-
kcnntniß der christlichen Glaubens: und Sittenlehrc, und theilte sie
vorerst den jungen Mönchen mit, deren Unterricht er mit unermüde-
ter Anstrengung besorgte, und dann öffentlich allen Menschen, die
seine Schriften lesen wollten. Seine Lehrweisheit, in der er sich
den heiligen Augustin zum vorzüglichsten Muster machte, wurde all-
gemein bewundert. Bon allen Orten kamen Menschen nach Bcc, sie
zu hören, und von dem frommen Prior Erleuchtung, Rath und
Trost zu erhalten.
Fünfzehn Jahre hatte Anselm daö Amt eines Priors im Klo?
ster Bec verwaltet, als der Abt Helluin starb, und er von den
Brüdern einstimmig, seiner Weigerung ungeachtet, zur äbtlichen
Würde im Jahre 1078 erhoben, und im darauf folgenden Jahre
von Gisclbert, dem Bischöfe von Elereur feierlich konsecrirt wurde.
Als Abt änderte er nichts in seiner Lebensweise, sondern strebte nur
nach noch größerer Vollkommenheit. Das Kloster Bec hatte Be-
sitzungen in England. Dieser Umstand veranlaßte den Abt Anselm,
einige Male dahin zu reisen, was er um so lieber that, da er zu-
gleich auch seinen hochverehrten Freund Lanfrank, der zur erzbischös-
lichen Würde in Lanterburi gelangt war, besuchen, und durch gott-
selige Unterhaltung mit ihm sich kräftigen konnte. In England er-
langte er so große Hochschätzung, daß Hohe und Niedere, selbst
Frauenspersonen, und besonders die Klöster wetteiferten, ihn aufzu-
nehmen, und Ven'lnung und Liebe ihm zu beweisen. Alle wollten
sich erquicken an seinem sanften Wesen, und alle aus seinem Munde
Worte des Heils hören, die er eben so ruhevoll, als verständlich
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen