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400 Der heilige Anselmus, Erzbischof zu Canterburi.
und treffend vortrug. Im Kloster zu Lanterburi hielt er eine Rede
von der brüderlichen Liebe, die einen sehr tiefen Eindruck machte,
und segcnsvolle Wirkungen hervorbrachte. Von allen Seiten wur-
den dem weisen Lehrer Geschenke, als eben so viele Beweise der
Liebe, dargebracht. Die Liebe verschmähte »icht, was die Liebe gab,
widmete es aber nur den Zwecken der Liebe.
Im Jahre 1089 starb Lanfrank, der Erzbischof von Lauter:
buri. Der König Wilhelm II . , mit dem Beinamen Rufus, (der
Rothköpsige) sing schon beim Anfange seiner Regierung an, die
Kirchen und Klöster hart zu drücken. Bisher hatte der muthige
Eifer des Lanfrank ihm noch einigen Einhalt gethan. Jetzt aber
ließ er seiner grausamen Ungerechtigkeit vollen Zügel. Der erledigte
erzbischöfliche Stuhl durfte nicht besetzt, und ein neuer Bischof oder
Abt nicht erwählt werden, bis der Geiz des Königs alles Eigen-
thum der Kirche, oder des Klosters verschlungen hatte. Schon vier
Jahre lang waren die Kirchen und Klöster in England auf diese
Weise mißhandelt worden, als Hugo, der Graf von Chestre, im
Jahre 1092, Abgeordnete in das Kloster Bec schickte, mit der Bitte,
daß Anselm nach England kommen, und ihm bei der Gründung ei?
nes Klosters, die er beschlossen hatte, durch seinen Rath behilflich
seyn wolle. Anselm hatte ein Gerücht vernommen, daß man in
England darauf antrage, ihn auf den erzbischöflichen Stuhl zu Can-
terburi zu setzen, und deßhalb konnte er sich nicht entschließen, nach
England zu reisen. Der Graf Hugo ward bald darauf krank, und
schickte zum zweiten- und drittcnmale Abgeordnete nach Bec mit der
nämlichen, nur immer dringcndcrn Bitte. Anselm willsuhr endlich,
und reiste nach England, weil gerade auch Geschäfte des Klosters
seine Gegenwart daselbst nöthig machten. Fünf Monate waren ver-
flossen, als er die Angelegenheiten des Hugo, und die Geschäfte sei-
nes Klosters vollendet hatte, und wieder in die Normandie zurück-
kehren wollte. Allein ein ganz unerwarteter Befehl des Königs trug
ihm auf, die Rückreise einzustellen.
Am heiligen Weihnachtfeste machten viele aus den Vornehmsten
des Landes dem Könige dringende Vorstellungen, und baten ihn,
den schon vier Jahre erledigten erzbischöflichen Stuhl zu Canterburi
besetzen zu lassen, und öffentliche Gebethe anzuordnen, daß ein wür-
diger Mann auf denselben erhoben werde. Der König wagte es
nicht, diese Bitte abzuschlagen, und die Bischöfe übertrugen dem
Anselm die Abfassung passender Gebethe. Kurze Zeit darnach be-
theuerte aber Wilhelm einem seiner Hofherrn, der auf Anselm, als
auf den Würdigsten, hindeutete, durch einen Schwur, daß so lange
er lebe, weder Anselm noch ein Anderer den erzbischöflichcn Sitz ein-
nehmen werde. Wie getroffen von der strafenden Hand des Herrn,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen