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Am 8. November. 409
bcstättigtc die Wahl mit frohlockendem Beifalle. Gottfried befand
sich eben bei der Kirchenversammlung, welche unter dem Vorsitze
des Cardinals Richard zu Trece gehalten wurde, und wollte von
da, als er die Erhebung zum Bischöfe erfuhr, entfliehen. Allein
der Cardinal und die Bischöfe, die alle Gott priesen für diese gnä-
dige Fügung, verwehrten es ihm. Gottfried mußte die Einwilli-
gung geben, das heilige Amt zu übernehmen. Er empfing die bi-
schöfliche Weihe von Manafses, dem Erzdischofe von Rheims, im
Beiseyn mehrerer Bischöfe, unter denen seine vertrautesten Freunde,
Lambert und Johann, sich befanden. So groß die Trauer zu No-
gcnt bei dem Abschiede des geliebten Abtes war, so groß war der
Jubel zu Amiens bei der Ankunft des hoffnungsvollen Hirten, der
in seiner tiefen Demuth in bloßen Füßen in die Stadt einzog, be-
gleitet von seinen vorgenannten beiden Freunden, Lambcrt und Jo-
hann, und von einer unzähligen Menge des frohlockenden Volkes.
In der Kirche des heiligen Märtyrers Firmin hielt er eme Anrede,
welche tiefe Rührung und allgemeine Bewunderung erweckte.
Als Bischof, wie als Abt, war der heilige Gottfried der ge-
treue Haushalter Gottes, und als solcher ein leuchtendes Vorbild
für Alle, die er zu Gott führen sollte; unerschütterlich im Glauben,
und vollkommen in der Liebe; strenge gegen sich, und schonend und
sanft gegen alle Andere; fromm und von Herzen demüthig; uner-
müdet im Lehren, im Ermähnen und im Trösten; ein Eiferer für
Gottes Ehre, für die Satzungen der Kirche, und für die Reinigkeit
der Sitten; ein Vater der Armen und Nothleidcnden; ein Beschützer
der Verfolgten und der Unterdrückten. Täglich speiste er dreizehn
Arme in seiner Wohnung, und bediente sie vielfältig in eigener Per-
son. Seine Wohlthätigkeit ging so weit, daß er sich nicht selten
von Allem entblößte, und deßhalb von seiner Dienerschaft einigcmale
harte Vorwürfe ertragen mußte. Einmal antwortete er seinem Haus-
meister , der ihn ahndete, weil er einen großen und seltenen Fisch
an Kranke gegeben hatte: »Hältst du es für Recht, daß ich Men-
schen, die um den nämlichen Preis erlöset sind, die den Leib und
das Blut Christi empfange», die zur Seligkeit berufen sind, hun-
gern, und mir selbst Leckerbissen vorsetzen lasse/' Der cckelhaf-
tcste Anblick schreckte ihn von den Kranken und Unglücklichen nicht
zurück. Er bereiste alle Orte seines Bisthums, und ließ an allen
segensvolle Spuren seines heiligen Eifers und seiner unbegränzten
Liebe zurück.
Der Geist der Empörung, der unter allen Ständen immer mehr
überyand nahm, veranlaßte den heiligen Gottfried, sein bischöfliches
Amt niederzulegen. Er zog sich zurück in die Larthause bei Gre-
noble, und wiometc sich mit großem Eifer den geistlichen Uebungen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen