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4l,4 Der heilige Norbertus, Erzbischof von Magdeburg :c.
glänzendsten Fähigkeiten begabt, verschafften ihm Aussichten, welche
von den Kindern dieser Welt die herrlichsten gcnannt werden. Von
seinen Eltern zum geistlichen Stande bestimmt, ließ er eü in Erler-
nung der Wiffenschaften so wenig am Fleiße fchlen, daß er gar
bald darin ungewöhnliche Fortschritte machte. (5ö war il>m aber
auf diesem Wege mehr darum ;u thun, eine Stufe des Ansehens
und des Ranges zu ersteige» , aus welcher sein Ehrgeiz und seine
Neigung zum Vergniige,i Befnedigung fände, als ernstlich dem Be-
rufe zu folgen, der auf ganz andern Wegen zum rechte» Ziele führt.
So brachte Norbert die Jugend in jener Pracht und Ueppigkeit zu,
wie nur immer ein hochadcliges Geblüt, Ueberfluß an. Gut und
Muth, und der blendende Glanz des Allbeliebtseyns dergleichen zu
Stande bringen. J a , er erreichte rine noch höhere und breitere
Bahn für solche eingebildete Glücksfahrt, als er in der Eigenschaft
eines kaiserlichen Almosengebcrs an den Hof Heinrichs IV. gezogen
wurde. Er gefiel hier freilich der Welt noch mehr, und die Welt
ihm. Seine Aussichten konnten nun einen noch weitern Kreis ge-
winnen , und die kirchlichen Würden ihm von Stufe zu Stufe zu
einem höhccn Ansehen in der Welt empor helfen.
Norbert gefiel der Welt, und die Welt gefiel ihm; allein sich
selber gefiel er nicht. Er ging zwar wenig, oder gar nicht in sich;
denn wer am liebsten auswärts ist, pflegt die Heimath zu meiden,
und die wüste Zerstreuung der Weltfrcuden und Weltlciden verträgt
sich mit der Erkenntniß der Wahrheit, und mit ernster Betrachtung
nicht leicht; allein er fühlte sich nicht glücklich, nicht befriedigt; sein
Geist, obgleich schwebend in dunkler Finsterniß, doch von der ewi-
gen Liebcssonne gezogen, empfand in seiner Sehnsucht nach dem Un-
bekannten , das wir Glück und Gut und Freuden nennen, nennen
und nicht kennen, nichts als Bangigkeit und Leere. Dieß war der
Ruf der ewigen Liebe, der als bange Sehnsucht in der unbefriedig-
ten Seele wiedcrhallte. Norbert hörte lange ihm zu; er hörte, aber
beherzigte nicht. Er that vielmehr, was bei den Menschen aller
Zeiten ein so übliches Uebel ist: er wandte die Schlauheit der alten
Schlange noch ferner an, welche die Menschen in der Kunst der
Zerstreuung und Aufheiterung unterrichtet.
Von einem einzigen Diener begleitet, in reicher und prachtvol-
ler Kleidung ritt Norbert eines Tages, damals dreißig Jahre alt,
einem wcstphälischen Dorfe zu, wo eine gar herrliche Ergötzlichkeit
in Gesellschaft vieler Freunde ihn erwartete. Da geschah es, daß
cin fürchterliches, ganz außerordentliches Ungcwitter mit Schnellig-
keit heraufstieg, und die schauerlichste Wetterwolke bald über dem
Haupte des Reisenden schwebte. Von jedem Obdache weit entfernt,
sah Norbert nicht ohne Zittern das schreckliche Wetter losbrechen.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen