Seite - (000417) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000417) -
Text der Seite - (000417) -
Am 6. Juni. 415
Unschlüssig hielt er eine Weile stille, bis er sich entschloß, im schnell-
sten Trabe die Reise fortzusetzen. Umsonst, daß sein Diener, der
die Wolke unverwandt im Auge behielt, ihm zurief, und ihn warnte;
im selben Augenblicke fast schmetterte ein Blitzstrahl von ungeheue-
rem Donncrschlage begleitet, zu den Füßen seines Pferdes in die
Erde, in welche er eine tiefe Grube wühlte. Das scheue Thier
warf den Reiter ab, der beinahe eine Stunde lang gefühl- und re-
gungslos auf dem Boden lag. Als er endlich, wie aus einem Tod-
tenschlummcr, zur Besinnung kam, rief er in Bitterkeit des Her-
zens: „Was willst du Herr! daß ich thun soll?" u»d mit den
Worten des Psalmisten gab eine innere Stimme ihm zur Antwort:
,>Meide das Böse, thue das Gute, suche den Frieden, und wende
dahin all dein Thun!"
Mit den lebhaftesten Vorsätzen einer gänzlichen Umänderung
richtete Norbert von der Erde sich auf, und, ohne mehr nach Hofe
zu gehen, kehrte er zu seinem Kirche in Hanthen zurück, um von da
in das Kloster St. Sicgbert bei Cö'ln sich zu verfügen. Er brachte
zwei Jahre in strenger Einsamkeit, im Gebethe und in Bußübungen
zu, mit aller Sorge für die Aussöhnung seines frühern Lebenswan-
dels bedacht; nachher wurde er von dem Erzbischofe zu Cöln zum
Diakon und Priester geweiht. Er nahm bei dieser Gelegenheit das
kirchliche Gewand nicht eher an, als bis er sein reiches Kleid mit
einem einfachen und höchst ärmlichen, aus Schaffellen verfertigten
Rocke vertauscht hatte. Bald nachher sah man ihn noch größere
Proben ablegen, wie weit er in Verachtung der eitlen Ehre, die
eheuor sein Abgott war, und in der Freimüthigkeit für die Sache
Gottes, schon fortgeschritten sey. Als er in der Domkirche zu Xan-
then, auf Einladung des Domkapitels, das erste Hochamt hielt, ei-
ferte er in einer, nach dem Evangelium gehaltenen Rede, mit solcher
Kraft und Würde gegen eingerissene Mißbräuche, daß er durch diese
und fernere Rügen dem Hasse und der Verspottung Vieler, die von
seiner Mahnung getroffen waren, sich aussetzte. Einer derselben er-
frechte sich sogar, ihm vor der versammelten Geistlichkeit in's Ange-
sicht zu speien; allein Norbert wischte stillschweigend, ohne ein Wort
deßhalb zu verlieren, sein Angesicht ab. Nach dieser, und andern
vielfältigen Verfolgungen, die seine dürstige Kleidung und Lebensart,
und selbst seine sanstmüthige Duldung dem heiligen Manne zuzo-
gen, wurde ihm endlich in einer feierlichen Versammlung zu Fritzlar
sein ganzes Benehmen als auffallend und ungeregelt verwiesen. Die-
sen Zurechtweisungen unterwarf cr sich mit so aufrichtiger Demuth,
daß er alsbald seinen Pfründen entsagte, sein Vermögen und seine
Ländereien veräußerte, das Geld unter die Armen vertheilte, seinen
Rock von Fellen mit einem Kleide und Mantel von grober weißer
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen