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Am 6. Juni. 417
Unterstützt von diesem trefflichen Gefährten, predigte Norbert
mit lmgemeinem Ei folge in den Provinzen Hainaut, Brabant und
Linge. Aus allen Ortschaften kamen die Gemeinden voll Ehrfurcht
ihnen entgegen; wo sie anlangten, wurden die Glocken geläutet; ihr
Wort und Beispiel wirkte kraftig, und insbesondere gelang es ihnen,
die grimmigen Feindschaften, die damals in diesen Ländern wütheten,
zu tilgen, odcr doch zu mäßigen. Wenn gleich das Volk wettei-
ferte, ihnen auf alle Weise Dank und Verehrung zu erzeigen, so
wußten die apostolischen Männer doch Alles abzulehnen. Sie führ-
ten außer dem Meßgeräthc, den Psalmen- und einigen Lehrbüchern
sonst nichts mit sich. Sie aßen auf der Erde sitzend, im ganzen
Sinne der Armuth, ihr schlechtes Abendbrod, und wiesen alle Ge-
schenke standhaft von sich.
Die Anwesenheit des Papstes Callistus I I . zu Rheims im
Jahre 1119, war für Norbert eine günstige Gelegenheit, für seine,
von Gelasius erhaltene Vollmacht, die neue Bestättigung zu erbit-
ten. Der Bischof von Laon, der in der Nähe der Stadt ihm be-
gegnete, hatte Scharfblick genug, unter Norberts armseliger Hülle
einen Mann von ungewöhnlicher Geistesbildung, und edlem Wesen
zu entdecken; ihn grüßend, wußte er so in ihn zu dringen, daß er
seinen Namen erfuhr, und hoch erfreut, den Weitverehrten gefunden
;u liaben, stellte er ihn dem Oberhaupte der Kirche vor. Mit im-
mer größerer Achtung und Liebe dem heiligen Manne zugethan,
wollte er ihn aus seiner Diözese von Laon, wohin er von Rheims
ihn mitgenommen hatte, nicht mehr entlassen, und um Norberts
Neigung zum einsamen Leben Genüge zu leisten, bereiste er mit ihm
die unbewohntesten Gegenden der Diözese, bis sie endlich in die ein-
samste aller dieser Wüsteneien, ein ödes Thal im Forste von Couci,
Premontre (Prämonstrat) genaünt, gelangten, bei dessen Anblicke
der Heilige erfreut in die Worte des Psalmes ausbrach: «Hier ist
der Ort meines Aufenthaltes." ,)Hier," setzte er noch hinzu, „wird
ein Volk von Ordensgeistlichen sein Heil finden!" In der That
fanden sich bald Geistliche und Weltliche bei ihm ein, um unter der
Regel des heiligen Augustin, in dem weißen Gewände, das vormals
bei Chorherrn üblich war, doch nur aus grober Wolle, im steten
Gebeth und Lobgesang, im Stillschweigen, Enthaltsamkeit und flei-
ßiger Arbeit, streng gegen sich, gastfreundlich in hohem Grade ge-
gen fremde Reisende und Arme, ein Kloster in der Wüste zu be-
wohnen. Auf solche Weise entstand am Christtage 1121 der Prä?
monstratcnscr-Orden, der in kurzer Zeit, von Kirchenhäuptern und
Fürsten begünstiget, über viele Länder Europas sich ausgebreitet,
und für Religion, Wissenschaft und Kunst, die herrlichsten Früchte
gebracht hat.
Zweiter Va»d. 27
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen