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Am 20. August. 427
lcirs >,! seiner zarn'st^n Kindheil ^pun» emer ungewoh»!ichc» , in-
ncrl,chen Erleuchtung an ihm wahrnahm; weßhalb sie eine Art Ehr-
furcht gegen ihn hegte, und ihn friihe der ^'mima, einiger ^horhcr-
ren zu Chatillon an der Seine übergab, auf daß er sich daselbst
durch die nothwendige» Wissenschaften zu seiner künftigen Laufbahn
vorbereitete. Diese Diener des Herrn erstaunten über die seltenen
Gaben des Knaben, der nicht nur bald alle seine Gefährten an wis-
senschaftlichen Kenntnissen übertraf, sondern ihnen auch als ein stil-
les Vorbild lebendiger Tugenden vorlcuchtcte. Eine edle Einfalt
und Anmuth strahlte aus seinem Angesichtc. Oft fand man ihn
einsam und in stiller Betrachtung jener Dinge, die da droben sind;
denn er strebte früh nach der Erkenntniß Gottes, die er, zumal in
den heiligen Schriften, suchte. Er war überaus liebreich und sanft-
»nithig, und über alle Beschreibung schamhaft. Dabei hatte er sich
frühe angewöhnt, seine Sinne im Zaum zu halten und abzuto'dtcn.
Die Freundlichkeit, die sich über sein ganzes Aeußerlichcs ergoß, gab
seinem innerlichen Wandel einen seltenen Liebreiz; denn meistens war
rr im Innern versammelt, und lernte früh den süßen Trost des
Herrn kennen, der innerlichen Seelen zu Theil wird. In diese Zeit
fällt jenes wunderbare Traumgcsicht, wo er in der Lhristnacht die
Mette in heiliger Ungeduld abwartend, in einen leiscn Schlummer
','l'rsiVl, und in einer Erscheinung die allerseligstc Jungfrau und den
neugeborncn Heiland, als ein Knableiiv von wunderbarer Schönheit
sah, welches Gesicht sein ganzes Herz mit dem innigsten Troste er;
freute, dcr ihn sei» ganges Leben, nicht verließ, so daß er über die-
ses große Geheimniß mit einer Süßigkeit sprach, wie keiner der Va-
ter vor und nach ihm, wie seine lieblichen Rcden von der gnaden-
reichen Geburt des Herrn, und von der heiligen Gottesgebärcrin
noch heutiges Tages bcweiftn.
Also nahm der Knabe an Alter und Weisheit und Gnade zu,
vor Gott und Menschen, und ging bereits von der Knabenzeit in
das jugendliche Alter hinüber, als seine fromme Mutter, die ihre
linder in all« Gotteofurcht erzogen, und das Werk vollendet hatte,
welches ihr vom Herrn war aufgegeben worden, ihre irdische Lauf-
bahn auf ebc» so wunderbare Weise beschloß, als sie dieselbe durch-
lebt hatte. Dl'iüi mitten in der Wclt, und von äußerlichem Glänze
unigeben, hatte sie ein innerliches, einsames und höchst bußfertiges
Leben geführt, lind war die Mutter aller Armen der Umgegend ge-
nvsen. Die Selige trug das Zeugniß des heiligen Geistes in ihrem
Innern, und weissagte den Tag ihrer Auflösung, Da sie jedes
Jahr am Kirchenpatronsfcste den Geistlichen zu Ehatillon ein festli-
ches Gastmahl gab, schien es, als wolle der Herr diefe Liebe ihr
dadurch vergelten, daß er sie an eben diesem Tage zum ewigen Gast-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen