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430 Der heilige Vernardus, Abt zu Llairvaux.
(Ziteaur (üister^), dessen Mönche die ersten Regeln des heiligen Be-
u>'d!kt in ihrer ganzen Reinheit und Strenge beobachteten, außer
daß sie ein weißes l^eio.ind von grober Wolle tnigen. V^it »na»!,!'
sprachlicher Freude wurden sie, wie E-gel des Himmels, anfgenom-
men von dem frommen Adle Stephan, der schon oft -,im> ,^e>r,i
gesieht hatte, daß er sein Werk nicht verlassen wolle; denn das ,^lo-
ster sah seiner Austösung entgeqe», >vell wegen der strenge» Ve-
benswcise d,efer '))!öücl^ e sich >oe»,ge eülschließen konnten, i!,nen bei-
zutreten.
Bevor Bernard und seine vier Brüder die Welt verließen, gi»
ge» sie noch einmal in das väterliche Haus, den letzten Segen von
ihrem Vater zu empfangen. Da fügte es sich, das: l^uido, der
Erstgeborne der Familie, seine» jüngste» Bruder Nivardus auf der
Gasse antraf, wo er mit .Xmdem seines Alters spielte. Er küßte
ihn, und sprach: ,)Lebe-wohl! mein Bruder Nivardus! Du bist
nun der einige Erbe, >vir überlassen dir unser ganzes Nermöqen."
-,Ei," sprach der Kleine, .,das wäre mir ei» schlimmer Tausch: Die
Erde für mich, und der Himmel für euch!" Er wollte durchaus
mit ihnen ziehen; sie aber gaben es nicht zu, sonder» ließen i!)» im
väterlichen Hause. Als aber Nivardus das Alter erreicht batte,
dem Herrn zu dienen, vermochten es weder Verwandte, nock Freunde,
ihn abzuhalten, seinen Brüdern nachzufolgen. Dieses Beispiel abmte
auch ihre Schwester Humbelina nach. Wie ein stammender Stern
leuchtete Bernard zu (Hiteaur seinen Gefährten vor. Auf das In -
nigste von Gottes lebendiger Gegenwart durchdrungen, vergaß er
beinahe ganz der körperlichen Speise, und schwächte dadurch seinen
'^eib so sehr, daß er allen Geschmack an Speisen verlor, und zuletzt
nur mit großer Mühe und Schmerzen so viele Nahrung zu sich neh-
men konnte, als unmittelbar, und kaum zu seiner Eilialnmg nöthig
war, weßwegen er auch in seinem ganzen folgenden Leben viel ^u
leiden hatte. In der Folge machte er sich selbst darüber die bitter-
sten Vorwürfe. Weil er, wegen seiner körperlichen Schwäche, die
gewöhnlichen Arbeiten der Brüder nicht theile» konnte, wählte fti,,e
Demuth die niedrigsten Dienste im Hause, die ihn jedoch so wenig
zerstreuten, daß er späterhin oft im Scher; zu sagen pflegte, er habe
bei Eichen und Buchen mehr Wissenschaften erlernt, als in großen
Büchern. Außer diesen Arbeiten, dem Chorgebeth und der Betracht
tung, war sein gewöhnliches Lesebuch die heilige Schrift. Seine
Sinne, zumal die Augen, bewachte er so strenge, daß er am
Ende seines Probejahres nicht wußte, wie die Decke seines Zim-
mers aussah, und lange dafür hielt, die Kirche, in der er doch
beständig aus - und einging, habe nur ein Fenster, obgleich sie deren
niedrere hatte.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen