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Am 20. August. 433
Durch die große Strenge gegen seinen Leib zog Vernarb sich
eine tödtliche Krankheit zu; von der er aber auf wunderbare Weise
durch den Beistand der allerseligsten Jungfrau, zu welcher er immer
die zärtlichste Verehrung trug, wieder genaß. Wilhelm, der Bischof
von Chalons, sein innigster Freund und Vertrauter, brachte es bei
den versammelten Vätern des Ordens dahin, daß der gegen sich
selbst zu strenge Abt, ein ganzes Jahr unter seine unmittelbare Auft
sicht zur Psiegt der Gesundheit gestellt wurde.
Der Orden des heiligen Bernard verbreitete sich schnell, und
blühte in kurzer Zeit so sehr, daß er noch vor dem Tode des heili-
gen Abtes mehr als hundert und sechzig Klöster in allen Gegenden
von Europa zählte. Das strenge und bußfertige Leben des Stifters
und seiner Ordensgenossen machte bei den übrigen Mönchsorden ei-
nen Eindruck, der viele und wichtige Verbesserungen bewirkte. Das
Licht, das durch Bernard leuchtete, sollte nicht länger unter dem
Scheffel verborgen bleiben. Der Cardinalbischof von Albano, ein
heiliger Mann und sehr eifriger Freund des heiligen Bernard, wurde
als päpstlicher Legat nach Frankreich geschickt, woselbst er den Ver-
narb zu einer Kirchenversammlung berief, die er zu Trojes hielt.
Die versammelten Väter staunten über die himmlische Weisheit, die
von seinen Lippen stoß. Dadurch ward das Ansehen des frommen
Abtes auf den höchsten Gipfel erhoben, so daß er von dieser Zeit
an zu allen Verathungen über die wichtigsten kirchlichen Angelegen-
heiten beigezogen wurde. Als der Papst Innoccnz I I . in Frank-
reich war, gewann er für ihn eine solche Hochschätzung, daß er ihn
nicht mehr von semer Seite lassen wollte, und in allen Dingen ihn
zu Rath zog. Nachdem er das Kloster zu Clairvaur besucht, und
hier die evangelische Einfalt und Armuth, die er sonst noch nirgend
gesehen, mit großem Erstaunen bewundert hatte, nahm er ihn, zu
dessen eigenem und zu noch größerem Leidwesen der Brüder, mit sich
nach Italien, wo er ihm große Lasten aufbürdete. Es schien, alS
hätte der Papst seine ganze Macht in die Hände dieses Mannes
niedergelegt, der in der weiten Welt nichts, als seine Armuth be-
saß. Er mußte gegen die ganze Richtung seines Gemüthes allen
Berathschlagungen und gerichtlichen Entscheidungen beiwohnen, und
erhielt alle wichtigen Beschlüsse zur Ausführung. Man kann sich
denken, wie dem demüthigen Einsiedler zu Muthe seyn mußte, da,
wie in dem Palaste eines Monarchen, Gelehrte, Bischöfe, Große des
Reiches, und Geschäftsträger der Völker vor seiner Thüre warteten,
von welchen er ohne Unterlaß überlaufen wurde. Er vermittelte
den Frieden zwischen Genua und Pisa, bewerkstelligte eine Ausglei-
chung zwischen dem Kaiser und dem Könige Konrad wegen Mai:
Zweiter Band. 28
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen