Seite - (000438) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000438) -
Text der Seite - (000438) -
436 Der heilige Bernardus, Abt zu Clairvaux.
der, und nach ihnen wurde Bcrnard von Pisa, ein Jünger des hei-
ligen Bernard, den er zum Abte des Klosters zum heiligen Anasta-
sius bei Rom ernannt hatte, einstimmig, unter dem Namen Euge-
nius I I I . , zum Nachfolger erwählt. Der heilige Abt zitterte für
die Jugend und Uncrfahrcnhcit eines Mannes, der blos an das ein-
fache Leben eines Mönches gewöhnt war, und schrieb einen Brief
an die Cardinäle, worin er sich hierüber bitter beklagt, einer solchen
Wahl wegen sie tadelt, und endlich bittet, demjenigen, den sie er-
wählt hatten, nun durch treuen Rath beizustehen. Dem neuen Papste
schrieb er einen, für alle Zeiten denkwürdigen Brief, worin er ihm
ftinc Verwunderung und Freude, zugleich aber auch sein Beileid be-
zeugt, und ihn auf väterliche und zärtliche Weise ermuntert, und
zu den großen Tugenden seines neuen Standes ermahnt. Eugen
hatte diese väterliche Ermahnung beständig vor Augen und regierte
die Kirche mit seltener Seelcngröße.
Nur aus Gehorsam gegen den Papst und gegen seine eigenen
Ansichten predigte der heilige Bernard in Frankreich, in der Schweiz
und in Deutschland mit unerhörtem Erfolge den Kreuzzug, den Lud-
wig der König von Frankreich beschlossen hatte. Hochcrstaunliche
Wunder, die unwidersvrcchlich bezeugt sind, beurkundeten seine Sen-
dung. Diese letzten sehr angestrengten Reisen und Arbeiten brachten
den heiligen Bernard bald dahin, daß er das Krankenbett sel-
ten mehr verließ. Deß ungeachtet mußte er noch eine Sen-
dung gegen verschiedene Irrlehrer unternehmen, die, wie alle frü-
hern , von vielen Wundern begleitet, mit dem herrlichsten Erfolge
gekrönt wurde.
Das letzte öffentliche Werk des heiligen Abtes war die Herstel-
lung des Friedens zwischen den Bewohnern von Metz, und einigen
benachbarten Fürsten. Nun nahm seine Entkräftung von Tag zu
Tag mehr überHand, und in freudiger Ruhe sah er seiner Auflösung
entgegen. Der Abschied, den er von seinen innigst geliebten Kin-
dern nahm, die ohne Unterlaß um ihn weinten, war so rührend,
seine Vaterlicbe so zärtlich, seine Bitten, Ermahnungen, und die
letzten Stunden seines Lebens so lehrreich, daß sie nicht beschrieben
werden können. Mit Thränen in den Augen bat er die weinenden i
Jünger, seine Auflösung nicht länger auszuhalten, und verhieß ihnen .
in heiliger Zuversicht seine Liebe auch nach dem Tode. Er starb '
im Jahre 115Z. Der Allmächtige, der ihn bei seinen Lebzeiten be- ,
reits so sehr verherrlichet hatte, verherrlichte ihn auch nach dem '.
Tode, weßwegen er auch zwanzig Jahre nach demselben in die Zahl ,
der Heiligen feierlich eingeschrieben ward. —
„O die Liebe! sie ist eine gute Mutter, ist immer Mutter, sie i
mag die Schwächern heben und legen, oder die Heranwachsenden ^
j
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen