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Am 29. Dezember. 441
<K bei andern erledigten kirchlichen Stellen geschah, die Aussicht über
die Verwaltung der Einkünfte der Kirche zu Canterburi. Bald dar-
auf ordnete er ihn aus der Normandie, wo er damals sein Hofla-
ger hatte, in Staatsangelegenheiten nach England ab, und machte
ihm bei dem Abschiede die Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl
kund. Thomas lächelte, zeigte auf sein glänzendes, für einen Geist-
lichen nicht geziemendes Hofgewand, und sprach: „König! Du
willst einen Untauglichen auf den ersten kirchlichen Sitz deines Rei-
ches erheben, und ihn vorsetzen den Canonikern, die für ihre Regel
sehr eingenommen sind. Bedenke, daß du, wenn du mich zum Erz-
bischofe machst, mich bald aus der Zahl deiner Freunde ausschließen,
und deine gegenwärtige Liebe zu mir in bittern Haß verwandeln
wirst. Du wirst Vieles von mir verlangen, ja du hast wirklich
schon Vieles gegen die Freiheit der Kirchen unternommen, was ich
nicht werde zugeben können. Darüber werden sich die Neider freuen,
und den Saamen bestandiger Zwietracht zwischen uns ausstreuen."
Wie richtig dieser Blick in die Zukunft gewesen sey, wird die wei-
tere Geschichte zeigen.
Der König vcrharrete auf seinem Entschlüsse. Thomas reiste
nach England ab, und wurde nach dem Verlangen des Königs von
den Bischöfen und von der Geistlichkeit zum Erzbischofe erwählt.
Er war im fünften Jahre Kanzler, und fünf und vierzig Jahre alt.
Am 2. Juni 1162 wurde er zum Priester, und Tags darauf, am
achten Tage nach dem hohen Pfingstfeste unter großer Feierlichkeit
zum Bischofe geweiht. Zur Gedächtniß seiner bischöflichen Weihe
setzte er auf diesen Tag das Dreifaltigkeitsfest ein, welches da-
mals noch nicht in der ganzen Kirche eingeführt war. Er schickte
Abgeordnete zum Papste nach Montpellier, welche um Bestäti-
gung, und um das erzbischöfliche Pallium baten, und auch beides
erhielten.
Im Jahre 1163 reiste Thomas zum Kirchcnrathe, welcher von
dem Papste Alexander I I I . zu Tours, in Frankreich, gehalten wurde.
Ueberall ward er mit großen Ehrenbezeugungen empfangen, weil der
Ruf seiner großen Gottseligkeit schon allenthalben sich verbreitet
hatte. Nach beendigtem Kirchenrathe verweilte er noch einige Tage
bei dem Papste, der ihn mit großer Zuneigung auszeichnete, und
die Privilegien, welche die Kirche zu Canterburi von seinen Vorfah-
ren erhalten hatte, bestätigte. Bei seiner Zurückkunft nach Eng-
land wurde Thomas von dem Könige wie ein geliebter Vater em-
pfangen. Diesen Umstand benutzte der weise Erzbischof, demselben
vorzustellen den verderblichen Mißbrauch, die erledigten Bisthümcr
und Abteien so lange unbesetzt zu lassen, und die Einkünfte dersel-
ben in die Staatskasse zu beziehen, und ihn zu bewegen, die seit
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen