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444 Die heilige Itha, Gräfin von Toggenburg.
Wohlthaten überhäuft hatte, weil es unter ihnen, wie er sagte,
nicht einen Einzigen gäbe, der ihn von einem Priester befreie, wel-
cher so große Unruhe anrichte. Die königlichen Kammcrherren Rc-
nald, Hugo, Wilhelm und Richard erkannten in dieser Rede des
Königs eine Aufforderung, den Erzbischof aus dem Wege zu räu-
men, und faßten den gottlosen Entschluß, ihn zu morden. In die:
ser Absicht kamen sie mit einer Rotte Bewaffneter am 29. Dezem-
ber nach Cantcrburi, und drangen mit Gewalt in die Kirche, wo
der Erzbischof mit seinen Geistlichen eben die Vesper hielt. Renald
führte mit seinem Schwerte den ersten Streich, der aber, weil er
von einem Priester aufgefangen wurde, den Erzbischof nur leicht an
der Stirne verwundete. Dem Priester war sein rechter Arm bei-
nahe ganz abgehauen. Thomas kniete nun vor dem Hochaltäre
nieder, erhob seine Hände und Augen zum Himmel, neigte darauf
sein Haupt und bethete: „Meine Seele, und das Anliegen der
Kirche, empfehle ich Gott, der heiligsten Jungfrau, den heiligen
Patronen dieser Kirche, und dem heiligen Blutzeugen Dionisius."
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er durch einen Streich
in das Gehirn auf den Boden gestürzt, und durch einen dritten
endlich vollends getödtet wurde um 5> Uhr Abends, am 29. Dezem-
ber 1170. Die Kunde von seinem Tode verbreitete allgemeinen
Schrecken, und ein fürchterliches Wehklagen. Weil die Mörder An-
schläge machten, auch an dem Leichname des Entseelten ihre gottlose
Wuth auszulassen, so wurde von der Geistlichkeit die Beerdigung
desselben beschleunigt, und schon am andern Morgen vollzogen. Er
wurde in einer unterirdischen Kapelle beigesetzt. Die Mörder stürm-
ten nun die bischöfliche Wohnung, und raubten oder zerstörten in
derselben Alles.
Schon im Jahre 1173 fand sich der Papst Alexander durch
die vielen Wunder, die am Grabe des ermordeten Erzbischofs ge-
schahen, bewogen, dessen Heiligkeit feierlich auszusprechen, und ihn
den heiligen Märtyrern beizuzählen.
Die heilige Itha, Gräfin von Toggenburg.
(Am 3. Nouembcr.)
Die heilige Itha war entsprossen aus dem edlen Geschlechte
der Grafen von Kirchberg, von denen Otto und Hartmann im eilf-
ten Jahrhundert das Kloster Wiblingen erbaut haben. Die Zeit
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen