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Am 3. November. 445)
ihrer Geburt fällt in die zweite Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Sie
erhielt in der Taufe den Namen Iuditha, welcher nachher durch
Zusammenziehung der Sylben in den Namen Itha verändert wurde.
Sie wurde mit aller Sorgfalt und Aufmerksamkeit erzogen. Schon
in ihrer zartesten Jugend suchten die sorgfaltigen Eltern ihr alles
das zu verschaffen, was die zarten Keime des Guten wecken und
stärken, die eben so schnell hervorspringenden Keime des Bösen unter-
drücken und ersticken, und das Wachsthum der Leibes- und Gei-
steskräfte befördern konnte. Diese vortreffliche Erziehung von Got-
tes väterlichem Segen unterstützt, legte in dem unschuldigen Herzen
der jungen Gräfin den Grund zu allen Tugenden und jener Helden-
müthigen Geduld und Standhaftigkeit, wegen welcher sie würdig be-
funden wurde, allen Christen, und der späten Nachwelt noch, als
das schönste Vorbild einer christlichen Heldin aufgestellt zu werden,
und durch welche sie sonnenklar beweiset, daß Gott denen, die ihn
lieben, Alles zum Besten lenket, und daß der schwache, hinfällige
Mensch Alles zu thun vermag, wenn er auf Gottes Hilfe vertraut,
und in der göttlichen Gnade seine Stärke sucht. Itha nahm zu,
wie an Jahren und Kräften, so auch an wahrer christlicher Voll-
kommenheit und Tugend, und die Gnade Gottes wurde immer mehr
sichtbar in ihrem Thun und Laffen zur Freude der Eltern und aller
guten Menschen.
Nachdem die Gräsin Itha das reife Alter erreicht hatte, war
sie oft in den Gesellschaften rechtschaffener Grafen und Ritter der
Gegenstand des Gespräches und der Bewunderung. Auf diese Weise
lernte sie bei einem Ritterspiele zu Cöln, welches im Jahre 1197
vom Grafen von Hanau veranstaltet wurde, einen jungen Grasen,
Heinrich von Toggenburg, kennen. Nicht lange hernach zog er von
Toggenburg nach Kirchberg, um Alles, was er gehört hatte mit ei-
genen Augen zu sehen, und dann zu erfahren, ob die Wahl, die er
im Herzen bereits schon getroffen hatte, auch die Beistimmung der
jungen Gräsin und ihrer Eltern erhalte.
Heinrich, ein schöner junger Mann, stammte von altadeligem
Geblüte, war im Besitze der schönen, und damals sehr berühmten
Grafschaft Toggenburg, und wohnte dort auf dem alten Schlosse
seiner Vorfahren, welche unweit dem Kloster Fischingen auf einem
hohen Felsen gelegen, von Natur und Kunst wohlbefestiget, den
Stürmen des tobenden Windes und den Anfällen feindseliger Men-
schen trotzen konnte. Er wußte sich bei seinem kurzen Aufenthalte
zu Kirchberg durch sein rechtschaffenes, seinem Stande und Alter an-
gemessenes Betragen, die Hochachtung und Liebe der ganzen gräfli-
chen Familie in solchem Grade zu erwerben, daß es ihm nicht mehr
schwer ward, die junge Gräfin I tha, mit vorzüglicher Einwilligung
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen