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Am ^. November. 447
Zudringlichkeit bemerkte, ward sie im Umgänge mit ihm immer bc:
hutsamer, ernstlicher, und bestrafte jedes auch nur zweideutige Wort
mit Verachtung und Unwillen. Dadurch ward aber die Leidenschaft
des Bösewichts nur desto unbändiger. Als er auf dem Wege, wel-
cher vom Schlosse nach der Pfarrkirche führt, in dcr Mitte des
Waldes mit der Grafin allein war, machte er ihr so unverschämte
Antrage, die jede chrliebende und rechtschaffene Frau oder Jungfrau
entsetzen, und mit großem Schrecken und banger Sorge erfüllen müs-
sen. Itha wies ihn mit Unwillen und Abscheu zurück. Darauf
achtete adcr dcr schon verhärtete Bösewicht nicht.- Er wendete Ge-
walt an. Laut weinend und schreiend rief die geängstigte Gräsin
zu, Gott um Hilfe. Ihre Stimme drang durch die Wolken, und
die Hilfe kam noch zu rechter Zeit. Denn Kuuo, Heinrichs Knappe,
der eben auf dcr Jagd w^r, eilte schnell dem Geschrei zu, und hin-
derte durch seine Dazn/schenkunft den Gottlosen an der Ausführung
seines verabschcuungswürdigen Vorhabens. Itha warf sich auf die
Kniee nieder, und pries Gott für ihre Rettung. Dominiko heuchelte
Reue. Die Gräfin verzieh ihm sein schändliches Vorhaben ganz
und vollkommen, mit der schönen Bitte, er solle auch Gottes Barm-
herzigkeit und Verzeihung durch wahre Herzensbesscrung zu erwer-
ben und zu verdienen suchen, verbot dann dem darüber unwillig er-
staunten Kuno, weder ihrem Heinrich, noch sonst Jemanden von
dem ganzen Vorfalle etwas zu entdecken.
Dominiko blieb, was er war, ein verruchter Bösewicht, dessen
Leidenschaft jetzt geqen Kl'.no,,der ihre schändliche Befriedigung hin-
derte, die fürchterlichste Rache kochte. Itha bewies dem rechtschaffe-
nen Knappen, ihrem Erretter von Sünde und Schande, vorzügliche
Hochfchatzung. Dieß bemerkte dcr schlaue Dominiko, und benutzte
es, Beide zu verderben; denn auch der Gräfin hatte er den Unter-
gang geschworen, weil sie seine lasterhaften Anschläge, die er neuer-
dings auf ihre Ehre machte, standhaft vereitelte. Durch Lügen und
teuflische Ränke wußte er die Eifersucht, diesen Würgengel des ehe-
lichen Friedens, in dem Herzen des Grafen zu wecken, uud mit je-
dem Tage mehr zu verstärken. Heinrichs Liebe zu Itha erkaltete,
sein Betragen gegen sie wurde steif, seine Worte wurden trocken
und gebieterisch, und seine Blicke wandten sich von der vorher so
theuern Gattin. Itha, die trug- und arglose Seele, wußte sich die
Ursache dieses so schwer drückenden Leidens nicht zu erklären, saß
manche Stunde voll Trauer und Bangigkeit bei ihrer Arbeit, suchte
die Einsamkeit, und wußte dieses ihr Elend Niemanden, als ih-
rem Gott zu klagen, nirgends als bei ihm Trost und Hilfe zu
suchen.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen